Tagebuchbloggen 30.03.2020 spezial: China ist näher, als wir uns eingestehen

Gestern sah ich ein Video, wo ein Brite, der derzeit in Shanghai ist, erzählt, wie das so ist in China mit der Massenüberwachung und den Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Epidemie.

Diese ganzen Überwachungsinstrumente wie Kameras, die über künstliche Intelligenz Bewegungsmuster aufzeichnen, Bezahlungen und Unterhaltungen in WeChat mitloggen, etc. gibt es in China schon seit einiger Zeit. Machen wir uns nichts vor: es ist ein totalitäres Regime. Die machen das nicht, um ihre Bevölkerung vor einem Virus zu schützen, sondern um ihren totalitären Staat aufrecht zu erhalten. Für all diese Maßnahmen brauche sie den Virus auch nicht als Vorwand, denn sie machen das ja eh schon.

Und dennoch gibt es in China trotz dieser extrem engmaschigen Überwachung sehr viele zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19. Nicht nur in Wuhan ist das öffentliche Leben extrem eingeschränkt. Und damit auch die chinesische Wirtschaft. Das chinesische Wirtschaftswachstum war in den letzten 10 Jahren nicht mehr ganz so steil wie zwischen 2000 und 2010. Der einzige Grund, warum China diese radikalen Maßnahmen ergreift, um SARS-CoV2 einzudämmen, der mir einfällt, ist, dass sie erkannt haben, wie gefährlich dieses Virus ist. Denn was die Wachstumszahlen Chinas sehr gut zeigen: Wir reden hier schon lange nicht mehr von einem kommunistischen Land. China ist durch und durch staatskapitalistisch. Wenn sie also nun so massiv in ihre Wirtschaft eingreifen, dann, weil sie wissen, dass es nötig ist, um ihre Wirtschaft durch Millionen Tote und Kranke nicht noch viel mehr zu gefährden, als sie es durch eine gewisse globale wirtschaftliche Abkühlung sowieso schon war.

Es war schon im Januar klar, dass die Maßnahmen, die da gerade in Wuhan und eigentlich in ganz Festlandchina ergriffen wurden, so in Europa oder den USA niemals funktionieren würden. Umso besorgter hätte man eigentlich sein müssen, denn dass das Virus diesmal, anders als SARS-CoV-1, nicht in Asien bleiben wird, sollte jeder klar sein, die sich ein wenig mit globalen wirtschaftlichen Verflechtungen beschäftigt. Zwischen 2010 und 2018 hat China knapp 150 Milliarden Euro in europäische Firmen investiert. Das führt zwangsläufig dazu, dass es viel mehr persönlichen Austausch zwischen Europa und China gibt.

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Prato, eine Stadt in der Toskana, einst Hauptstadt der italienischen Textilindustrie, hat in den letzten 20 Jahren die höchste Konzentration an chinesischen Firmen in Europa angezogen. Es leben rund 50 000 Chinesinnen in der 200 000 Einwohner großen Stadt. Dass es da einen nicht unerheblichen Personenverkehr zwischen China und Italien geben muss, sollte jeder klar sein. Und das ist nur das extremste Beispiel in Europa. Auch die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Hubei und der Lombardei sind eng. Es war also absolut offensichtlich, dass man diesmal nicht darauf hoffen konnte, dass es ähnlich wie bei SARS-CoV-1 bei einem weitgehend lokalen Ausbruch bleiben würde. Und weil auch klar war, dass es in Europa weder ein perfekt ausgebautes Überwachungsnetz gibt, noch dass drakonische Ausgangsbeschränkungen mit der gegenwärtigen Form europäischen Gesellschaften einfach vereinbar sein würden, ist es aus meiner Sicht absolut unfassbar, dass nicht schon im Januar europaweit mit für alle spürbaren Vorbereitungen auf den Pandemiefall begonnen wurde. Es hätte schon im Februar unmissverständlich klar sein müssen, dass Händewaschen keine ausreichende Maßnahme darstellt und Massenveranstaltungen wie Fußballspiele ein nicht notwendiges Vergnügen sind.

Aber die Europäerinnen scheinen noch immer zu denken, dass China weit weg ist, eigentlich noch immer ein unterentwickeltes Schwellenland, wo Menschen halt sterben, weil die medizinische Versorgung schlecht ist. Chinesen zu arm sind, um nach Europa zu reisen. Und Schutz vor Infektionskrankheiten ist was für Weicheier, Asiatinnen sind einfach die totalen Hygienefetischistinnen. Als ich im Februar anfing, meine Kolleginnen darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns auf eine Pandemie vorbereiten müssen, wurden meine Mahnungen als vollkommen übertriebene Panikmache abgetan. Obwohl da die Kolleginnen in Shanghai längst im Homeoffice ihre Kinder beschulten. Wir machten sogar noch Fotos mit Durchhalteparolen für die Shanghaier Kolleginnen. Aber dass das irgendwas mit uns zu tun haben könnte, auf die Idee kamen die wenigsten. Ich gebe zu, die Forderung mancher Eltern in der Grundschule, die Anfang Februar fanden, die Kinder, die über Silvester in Hongkong waren, sollten für 2 Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden, fand ich dann auch etwas übertrieben. Aber hauptsächlich, weil die Kinder da bereits seit 3 Wochen zurück waren und mir eine Isolierung nach so langer Zeit dann doch nicht sinnvoll erschien.

Und noch immer habe ich den Eindruck, dass viele Menschen sich weigern, nach China zu schauen. Wenn ich sage, dass ich nicht davon ausgehe, dass die kl Menschen am 20. April wieder in die Schule gehen und wir ins Büro, dann sind viele vollkommen irritiert. In China haben die ersten Provinzen die Schulen wieder aufgemacht, nachdem sie 4 Wochen keine nachgewiesenen Neuinfektionen hatten. Und dann auch nur die Oberschüler und unter strengen Auflagen. Extra Schulbusse, die jedes Kind zu Hause abholen, optimierten Wegen in der Schule, um die Begegnungen zu minimieren, Fieberkontrollen 3 mal am Tag, usw. Warum wissen das hier so wenige Menschen? Warum wird das alles vollkommen ignoriert? Weil in Europa noch immer eine unfassbare Arroganz vorherrscht. Hier herrscht noch immer die Vorstellung, Asiatinnen stecken sich mit diesen Krankheiten an, weil sie in unterentwickelten Zuständen leben. Und sterben in so großer Zahl, weil sie keine ausreichende medizinische Hightechversorgung haben. Das ist einfach bullshit. China ist ein Industrieland mit extrem großen staatskapitalistischen Ambitionen. China ist längst viel näher als uns bis vor 2 Monaten bewusst war.

Tagebuchbloggen 28.03.2020

Wenn man eh nichts anderes machen kann, dann kann man Samstags, so wie es früher bei uns zu Hause auch üblich war, zum Putztag erklären. Wir haben normalerweise eine Haushaltshilfe, aber die ist jetzt erstmal freigestellt, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Also haben wir heute die Wohnung geputzt. Der kl kl Mensch hat arge Probleme damit, Dinge tun zu müssen, auf die er keine Lust hat. Auch wenn ihm einleuchtet, dass es sein muss, keiner von uns das gerne macht und es in einer Gemeinschaft nötig ist, dass alle was beitragen, tut er sich mit seinen 7 Jahre noch schwer damit, dass in der konkreten Situation auch umzusetzen. Also hat er heute mal wieder viel weinen müssen, weil wir so unfassbar schlimme Dinge wie staubsaugen, Zimmer aufräumen und Müll runter bringen von ihm verlangt haben. Während wir noch viel schlimmer Dinge wie Küche auf Vordermann bringen, Böden wischen und Klo putzen tun mussten. Der Liebste hat außerdem noch die Hecke geschnitten und sieht jetzt aus, als hätte er eine Katze zum Tierarzt bringen müssen.

Aber schlau wie wir waren hatten wir uns für 16 Uhr mit Freunden zum Telekaffeetrinken verabredet, so dass wir die Belohnung direkt eingebaut hatten. Die Freunde sind vor einem halben Jahr umgezogen und bisher hatten wir das neue Haus noch nicht gesehen. Also bekamen wir erstmal eine Hausführung. Danach haben wir dann noch Fotos von ihrem Chileurlaub angeschaut. Sie sind letzte Woche von einer 4-wöchigen Reise zurückgekommen und weil sie ja dann zu Hause direkt in den Lockdown gegangen sind, waren wir die ersten, die die Fotos gezeigt bekamen. Internet ist wirklich was tolles!

Überhaupt haben wir neuerdings viel mehr Sozialkontakte, weil wir uns fast jeden Abend mit anderen Freunden zum telekonferieren treffen. Wenn man jahrelang so ein Nomadenleben wie wir geführt hat und sich außerdem mit Menschen aus dem Internet anfreundet, dann sind die Freunde halt auch echt weit verstreut. Warum haben wir das mit der Videotelefonie nicht schon viel früher gemacht?

Nach dem Abendessen haben wir uns dann noch mit anderen Freunden getroffen, während die kl Menschen Star Wars Episode 2 geschaut haben.

Ich habe immer mehr Bedenken, im Juli unseren geplanten Urlaub in Tirol zu machen. Nach allem, was man über die Versäumnisse aus Ischgl so hört, frage ich mich, ob ich offiziellen Angaben darüber, ob Tirol die Infektionen im Griff hat, trauen würde. Noch ist Zeit, bisher haben wir nur eine Anzahlung geleistet, aber selbst wenn wir durch flächendeckende Antikörpertests, die hoffentlich bald im großen Maßstab verfügbar sein werden, sehr viel besser wissen, wie die Infektionslage ist, haben die offiziellen Stellen in Tirol massiv mein Vertrauen in ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Und nachdem jetzt ja schon die Skitouristen ausbleiben, ist man über das Sommerferiengeschäft vermutlich froh und handelt dann womöglich wieder genauso fahrlässig wie Anfang März.

Das argument, dass man für die Wirtschaft jetzt ganz schnell wieder zu lockereren Maßnahmen übergehen müsse, treibt mich noch immer sehr um. Alleine heute sind über 70 Menschen in Deutschland an Covid-19 gestorben. Wir folgen noch immer ziemlich genau der Trajektorie von Italien. Nichts deutet darauf hin, dass die Maßnahmen, die wir bisher erdulden müssen, wirksam genug sind um ein Drama wie in Italien oder in Spanien abzuwenden.

Tagebuchbloggen 26.03.2020

Heute morgen 2 h in einer Besprechung rumgehangen. Danach noch 1,5 h Sachen weggearbeitet. Der Liebste hat währenddessen versucht, die Kinder in die Gänge zu bringen. Die schlafen mittlerweile auch immer länger…

Nach der Mittagspause weiter gut voran gekommen, um 15 Uhr ein Gespräch mit meiner Chefin gehabt, das mich zuversichtlich stimmt, dass die etwas unbefriedigende Jobsituation sich auch bald klären wird.

Und dann habe ich was total verrücktes gemacht: Ich war joggen. Seit 12 Jahren war ich nicht mehr joggen! Diese Krise macht komische Dinge mit mir!

Ich hab noch immer Kopfweh. Es ist nicht mehr so schlimm wie letzte Woche, aber ich muss wirklich aufpassen, dass meine Schultern nicht wieder total verkrampfen.

Abends mit Nahtzugabe und 700Sachen virtuell zusammengesessen und geplauscht. Das war schön.

Nach wie vor sorge ich mich. Dass neoliberale Strömungen demnächst bewirken, dass das öffentliche Leben wieder aufgenommen wird, weil die Wirtschaft! Ungeachtet, ob wir das Infektionsgeschehen dann wieder unter Kontrolle haben und potentiell in den nächsten unkontrollierten Ausbruch rennen. Hauptsache, man tut was. Dabei zeigen Untersuchungen, dass Gegenden, die 1918 die H1N1 Pandemie nicht vernünftig im Griff hatten, deutlich schlimmere langfristige wirtschaftliche Schäden zu verzeichnen hatten als Gegenden, wo man konsequent das öffentliche Leben einstellte. Hier überlegt man jetzt, dass man nur noch die vulnerablem Gruppen schützt. Als würden die nicht-vulnerablen nicht genauso zu 5% auf der Intensivstation landen. Sie sterben mit bestmöglicher intensivmedizinischer Versorgung nicht so leicht, aber wenn es keine freien Beatmungsplätze mehr gibt, dann werden auch junge, gesunde Leute sterben, machen wir uns doch nichts vor! Und den älteren Menschen und den Menschen mit Vorerkrankungen oder nicht-intaktem Immunsystem jetzt zuzurufen „Wir halten es nicht mehr aus, bleibt ihr mal weiter schön zu Hause, wir machen hier ne große Covid19 Party“ ist auch krass unsolidarisch. Wenn der Antikörpertest in ausreichendem Maße vorhanden ist, und eine Testinfrastruktur dafür aufgebaut ist, kann man vielleicht mal drüber nachdenken, wie man das öffentliche Leben langsam wieder hochfährt. Denn dann haben wir eine reelle Chance, das Infektionsgeschehen in Echtzeit einschätzen und eingrenzen zu können. Aktuell haben wir mit der PCR Analyse nur die Möglichkeit, eine Idee davon zu bekommen, was vor 10-14 Tagen passierte. Und wirklich sicher wissen wir anhand der Todeszellen, was vor 3 Wochen passierte. Bei einem exponentiellen Wachstum, wo sich die Ansteckungen alle 3 Tage verdoppeln, wissen wir aktuell, dass wir in 2 Wochen insgesamt 5000 Tote haben werden und täglich mehrere hundert Menschen jeden Tag sterben werden und zwischen 50.000 und 100.000 Menschen auf der Intensivstation liegen werden. Das sind unvorstellbare Zahlen.

Tagebuchbloggen 20.03.2020

Die erste Woche Isolation ist rum. Es lief besser als erwartet und auch wenn ich zuversichtlich war, dass wir uns nicht an die Gurgel gehen werden, bin ich froh, dass es tatsächlich nicht dazu kam. Der Liebste sagte eben, dass die Polizei damit rechne, dass sie jetzt vermehrt Fälle häuslicher Gewalt sehen wird. Daraufhin fragte der gr kl Mensch, was häusliche Gewalt sei. Als ich es erklärte, sagte er, dass das bei uns ja keine Gefahr sei. Wir scheinen nicht allzuviel falsch zu machen.

Wir haben heute unsere neue Haushaltshilfe nach einer Woche für unbestimmte Zeit in die bezahlte Freistellung geschickt.

Der Liebste war heute morgen einkaufen, es war wohl recht wenig los in der Fußgängerzone und Weizenmehlspeisen scheinen das neue Trendgericht zu sein.

Schule zu Hause läuft viel besser als erwartet. Allerdings scheinen Sekundarstufe II Lehrerinnen sehr unsensibel für das Phänomen „intellectual divide“ zu sein. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass sie einfach eine Liste mit Aufgaben über den Zaun werfen und erwarten, dass die Schülerinnen das schon irgendwie hinbekommen. Ich jedenfalls musste heute durch fragendes Entwickeln die Sache mit den Potenzen nochmal vertiefen. Beim kl kl Menschen fahren wir aktuell eine andere Strategie und machen mit ihm statt kleinteiligem Entwickeln von mathematischen Konzepten eher 5 Schritte auf einmal, um ihn bei der Stange zu halten. Auch das funktioniert ganz gut. Sein Tagebucheintrag toppt allerdings sogar meine knappe schriftliche Ausdrucksform. „Wir waren spazieren und zu Hause.“

In der Mittagspause haben der gr kl Mensch und ich 30 Minuten mit Anna geturnt und sind dabei ganz schön ins schwitzen gekommen.

Heute standen dann die ersten Abgaben von Aufgaben an. Im Zuge dessen haben wir gemerkt, dass der gr kl Mensch bei einigen Aufgaben Verständnisschwierigkeiten hatte, aber uns nicht stören wollte mit Fragen. Wir haben natürlich über den Tag verteilt immer wieder Besprechungen, und irgendwie scheint er den Eindruck gewonnen zu haben, dass er uns besser nicht stört. Gut, dass wir das jetzt geklärt haben. Und ich konnte ihm dann ja, s.o., sogar recht schnell und einfach helfen.

Seit heute dürfen wir nur noch zu zweit oder im Rahmen der Lebensgemeinschaft vor die Tür. Wir haben das ja schon seit einer Woche praktiziert, mit der Ausnahme gestern. Wir werden sehen, ob das reicht, oder ob noch mehr Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit wir dieses vermaledeite Virus wieder soweit unter Kontrolle bekommen, dass man mit den vorhandenen Testkapazitäten alle Neuinfektionen und deren Kontaktpersonen testen kann. Aber selbst dann werden wir uns mit massiven Eingriffen in unsere Grundrechte noch für Monate, wenn nicht Jahre abfinden müssen. Bisher bin ich allerdings positiv überrascht, dass die CDU dies nicht in allzu hohem Maße dazu auszunutzen scheint, ihre ordnungspolitischen Phantasien umzusetzen. Wir werden sehen. Umso wichtiger, jetzt freiwillig ein paar Einschränkungen auf sich zu nehmen, damit da nicht aus dem Gebot der Stunde absurde Überwachungsinstrumente dauerhaft etabliert werden.

An unserer 5 Uhr Runde halten wir weiter fest, es tut gut, jeden Tag raus zu kommen und sich zu bewegen. Auch die kl Menschen haben bisher kein einziges Mal darüber gemotzt. Im Gegenteil, sie stehen quasi sofort abmarschbereit an der Tür, wenn der Liebste und ich aus dem Arbeitszimmer kommen.

Eine Nachbarin hat eine WhatsApp Gruppe für unsere Siedlung gegründet, wo man sich gegenseitig unterstützen kann. Hier wohnen einige ältere Menschen und auch wenn die vermutlich kein WhatsApp benutzen, bekommt man über so eine Gruppe dann doch eher mit, wenn jemand Hilfe braucht, sei es beim Einkaufen oder mit fehlenden Dingen oder Infos. Lustig daran ist, dass es ein wirres Mischmasch aus deutsch und englisch ist. Teilweise in einer Nachricht wird zwischen den Sprachen gewechselt.

Nach dem Abendessen trafen wir uns mit Freunden in einem virtuellen Besprechungsraum, um gemeinsam Wein zu trinken und ein bisschen zu erzählen, wie die erste Woche für uns war.

Ich denke, wir schlagen uns ganz wacker, auch wenn ich jegliches Zeitgefühl verloren habe, weil Dinge, die ich letzte Woche noch nicht für möglich gehalten hätte, nun selbstverständlich sind. Trotzdem muss ich hin und wieder weinen, aber das ist für mich keine ungewöhnliche Reaktion auf psychische Anspannung. Mir macht das Virus an sich wenig Angst. Ich weiß, dass auch jüngere Personen schwer daran erkranken können, aber die Chancen, daran zu sterben sind deutlich niedriger als für alte Menschen. Aber ich habe in düsteren Momenten Angst davor, wie unsere Gesellschaft in 2 Jahren aussehen wird. Auch wenn ich, wie gesagt, positiv überrascht bin, wie klar die CDU sich gegen massive Beschneidung der Grundrechte ausspricht. Da ist man bei weniger krassen Bedrohungen doch drastischere Töne von ihnen gewohnt.

Tagebuchbloggen 19.03.2020

Nach einer erstaunlich schmerzarmen Nacht bin ich heute morgen quasi schmerzfrei aufgewacht. Nach dem Frühstück habe ich den Laptop auf einen Stapel Bücher gestellt und der Liebste hat eine überschüssige Tastatur aus dem Keller gefischt. Falls das auch nicht hilft, werde ich nächste Woche versuchen einen Durchlassschein für den Monitor im Büro zu bekommen und den dann holen. Das haben einigen Kollegen schon gemacht, ich gehe davon aus, dass der Werkschutz da aktuell keine großen Probleme machen wird.2020-03-19 08.30.34

Wenn der Liebste und ich gleichzeitig eine Besprechung haben, geht er übrigens ins Nähzimmer zum telefonierenthreema-20200318-140929-2549a5cff5469f85

In unserem Umfeld scheinen sich die Familien sehr strikt an die Isolation zu halten. Die meisten Kinder haben wirklich nur Kontakt zu ihren Geschwistern. Wir haben uns heute aus wichtigen Gründen mit einer Klassenkameradin des gr kl Menschen und ihrer Mutter zum Spazierengehen getroffen. Immer im Abstand von mind 1,5 m voneinander. Das hat gut getan!

Das Selbstlernen erfordert große Selbstdisziplin von uns allen. Aber es gibt immer weniger Tränen beim kl kl Menschen und der gr kl Mensch scheint abgesehen von Englisch recht diszipliniert zu arbeiten. Ich hingegen habe noch immer große Schwierigkeiten, konzentriert bei der Sache zu sein, kein Wunder bei solchen Kollegen…

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Aufgrund des Spaziergangs über Mittag wichen wir heute etwas vom Plan ab, den wir in den letzten Tagen wirklich gut eingehalten haben. threema-20200319-175630-fecf1cda4e386499

Ich weiß, dass man keine größeren Gruppen treffen sollte, aber wie sehr der Mensch ein soziales Wesen ist, merkte ich heute sehr eindrücklich. Am Ende des Spaziergangs trafen wir auf der Straße die Schulleiterin und die Sekretärin der Grundschule, die Briefe für die Viertklässlerinnen austeilten. Um sich die Beine zu vertreten, um auch mal aus dem leeren Schulgebäude heraus zu kommen. So standen plötzliche 5 Erwachsene und drei Kinder auf der Kreuzung, alle in gebührendem Abstand voneinander. Dann kam noch eine weitere Mutter mit dem Auto vorbei, hielt an, wir unterhielten uns kurz, bis wir bemerkten, dass wir schon eine zu große Gruppe waren. Niemand war jemandem anderes zu nahe gekommen, aber der Wunsch nach persönlichem Austausch schien bei allen groß zu sein.

Der Liebste arbeitet sich jetzt in eLecture tools ein, da er davon ausgeht, dass das Sommersemester wohl mindestens zum Teil aus der Ferne stattfinden wird.

Ich habe heute auf Empfehlung von 700Sachen „Fit mit Anna“ ausprobiert und das ist dann doch eher was für mich als YouTube Yoga.

Mit meiner Schwester gechattet. Hab sie gefragt, ob ich ihr schicke Mundschutze nähen soll. Sie sagt, noch haben sie welche im Krankenhaus, aber auch die chirurgischen Mundschutze werden knapp. Falls ich welche nähe, könne ich ihr welche mitnähen, wer weiß, ob sie sie nicht tatsächlich bald brauche. Fürs erste wird sie nicht an vorderster Front kämpfen, aber auch sie fragt sich, wie lange die Trennung der Kliniken in „Fieber-“ und „Nicht-Fieber-Klinik“ aufrecht erhalten werden kann. Sehr beklemmend, zu sehen, wie sich ein Mensch, dem ich nahe stehe, versucht, auf das unvorstellbare vorzubereiten. Wir alle müssen unser Möglichstes tun, um den Menschen in den Krankenhäusern diesen Horror zu ersparen. Bitte, bleibt zu Hause! Wir müssen uns jetzt alle so verhalten, als hätten wir den Virus. Denn jede von uns könnte ihn längst haben. Und damit andere anstecken, die dann vielleicht medizinische Unterstützung benötigen. Es ist nicht nur ein Husten. Bleibt zu Hause!

 

 

 

Tagebuchbloggen 05.03.2018

5:50 Uhr der Wecker klingelt heute 50 min früher als sonst, da ich um 7 uhr im Labor sein muss. Der Rest kann noch bis 6:50 schlafen. Ich schminke mich und frühstücke also ungestört.

7:00 Uhr ich bin tatsächlich pünktlich. So früh bin ich vorher immer skeptisch, ob ich das tatsächlich schaffe. Ich unterweise den Laboranten in den Versuch und beantworte Fragen, die er noch hat. Dann kann er loslegen.

8:00 Uhr ich gehe rüber ins Büro, berate mich mit meinem Chef bezüglich der Versuche, hole meine Schutzbrille mit den eingeschliffenen Gläsern und gehe wieder zurück ins Labor.

9:00 Uhr Ich erinnere mich daran, dass die ehemaligen Kollegen, die ihre Büros noch immer bei den Laboren haben, um diese Zeit immer Kaffeepause machen. Ich treffe sie in der Kaffeeküche und wir plaudern ein paar Minuten miteinander.

Danach telefoniere ich recht lange mit einem Kollegen, um mich nochmal über den aktuell laufenden Versuch abzustimmen. Dieses Projekt begleite ich nun schon seit über drei Jahren und schon manchesmal hat sich der Fokus geändert, da kommt man schonmal durcheinandern, welche Fragestellung denn nun aktuell im Vordergrund steht.

11:30 Uhr Zeit fürs Mittagessen. Der Liebste hatte zwar gestern extra etwas mehr Risotto gekocht, damit ich nicht wieder wie am Freitag innert 10 min Currywurst-Pommes runterschlingen muss, nur dummerweise hab ich den im Kühlschrank stehen lassen heute morgen. Aber die heutigen Versuche macht ein Laborant, den man auch mal 1 Stunde alleine lassen kann, also gehe ich wie eigentlich an jedem Arbeitstag in die Kantine. Meine Mittagspause ist mir ziemlich heilig.

12:30 Uhr wieder zurück im Labor und keine mittlere Katastrophe eingetreten. Wusste ich doch, dass ich mich auf diesen Laboranten verlassen kann.

13:00 Uhr irgendwas stimmt nicht bei dem Versuch, der Laborant ist etwas ratlos, aber gemeinsam bekommen wir das Problem in den Griff.

15:00 Uhr weil die Ergebnisse des Versuchs sehr dringend sind, bringe ich die bisher gezogenen Proben mit dem Fahrrad zur Analytik. Ich fand die Idee erst etwas seltsam, dass man sowas besser mit dem Fahrrad als mit dem Auto macht, aber um Proben mit dem Auto transportieren zu dürfen, braucht man ein speziell belüftetes Auto. Beim Fahrrad besteht keine Gefahr, dass man erstickt, sollten die Proben nicht dicht sein.

16:00 Uhr Der Laborant hat den Versuch für heute beendet und findet nun auch den Grund für die Probleme am Mittag. Das wird dann morgen hoffentlich kein Problem mehr sein.

16:30 Uhr Ich gehe wieder zurück ins Büro, bespreche mich nochmal mit meinem Chef, überbringe ihm die Nachricht, dass ein anderer Laborant, der gerade der einzige ist, der einen ziemlich großen Versuch für mich aufbauen kann, die ganze Woche krank geschrieben ist. Es ist nicht immer gut, wenn man die Personaldecke derart ausdünnt, dass know-how für wichtige Dinge nur noch bei einer Person liegt. Aber das ist leider der Zeitgeist… Ich mache noch schnell zwei Rechnungen für ein anderes Projekt, telefoniere noch kurz mit einem Kollegen, wie ich die Ergebnisse aufbereite und mache die Folien fertig.

17:45 Uhr ich gehe nach Hause. Der große kleine Mensch ist noch bei einem Klassenkameraden, nur der kleine kleine Mensch und die Kinderfrau sind da. Der kleine kleine Mensch hilft mir beim Brotteig machen. Um 18:15 Uhr kommen der große kleine Mensch und der Liebste nach Hause. Ich diktiere dem großen kleinen Mensch die obligatorischen 15 Lernwörter, danach basteln die kleinen Menschen ein Geburtstagsgeschenk für ihre Oma, ich übe ein bisschen Klavier. Beim Drachen zähmen leicht gemacht gucken strick ich eine Runde, um dabei festzustellen, dass aufgrund der nicht passenden Maschenprobe ich dabei bin, einen Sack zu stricken. Das muss ich wohl nochmal aufribbeln. Zwischendrin falte ich alle 30 min den Brotteig.

19:15 Uhr wir essen zu abend. Den Risotto von gestern.

19:45 Uhr der Liebste bringt die kleinen Menschen ins Bett, ich räume die Küche auf und gehe dann auch nach oben um endlich ein verspätetes Geburtstagsgeschenk fertig zu nähen. Der Liebste liegt im Nähzimmer auf dem Bett und unterhält mich leidlich währenddessen.

23 Uhr das Brot kann endlich in den Ofen. Nun nur noch 45 min backen, dann kann ich endlich ins Bett.

Tagebuchbloggen 05.05.2017

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen möchte wissen, was ich eigentlich den ganzen Tag mache.

5:25 Uhr der Wecker vom Liebsten klingelt. Er schleicht sich aus dem Zimmer und macht sich auf Richtung Hörsaal, Studierenden was über Physik erzählen.

6:40 mein Wecker klingelt..wie immer kuschel ich noch ein wenig mit der Decke, Ehe ich um 7:00 Uhr aufstehe. Um 7:20 Uhr hole ich den kl kl Mensch aus seinem Bett. Der gr kl Mensch ist rekonvaleszent und darf heute noch zu Hause bleiben. Also auch ausschlafen. Die letzten 3 Tage war er mit dem Liebsten zu Hause. Heute bin ich dann wohl mal dran.

7:50 Uhr der kl kl Mensch und ich radeln zum Kindergarten

8:15 Uhr als ich nach Hause komme sitzt der gr kl Mensch vorm Fernseher. Das ist, glaube ich, das erste Mal, dass er ohne meine Erlaubnis den Fernseher anmachte. Aber gut, ich war ja auch nicht da, um gefragt werden zu können. Ich baue meinen Laptop im Esszimmer auf und fange an zu arbeiten.

8:45 Uhr ich muss für ne halbe Stunde ins Büro, telco mit Chef und kollege in Indien. Fragt nicht, warum das nicht per Skype ginge…. Aber das ist auch ganz gut so, denn so kann ich noch meine eigenen Sicherheitsschuhe holen und muss keine gebrauchten Leihschuhe anziehen in Indien.

10:00 Uhr ich bin wieder zu Hause, der gr kl Mensch schaut noch immer „es war einmal… Amerika“. Das Telefonat mit dem Kollegen war positiv. Nachdem der erste Tag von ihm eine Katastrophe war, hat sich wohl mittlerweile rumgesprochen, dass wir ziemlich pingelige Kunden sind. Und es geht wohl mittlerweile schneller voran, so dass sich mein Rückflug hoffentlich nicht nach hinten verschieben wird. Wir haben das Programm ja aufgeteilt. Mein Kollege ist seit Dienstag dort, ich fliege am Sonntag hin, dann arbeitet er mich 3 Tage ein, er fliegt zurück und ich mache den Rest alleine weiter. Was eben auch bedeutet, dass ich solange dort bleibe, bis alles fertig ist.

Homeoffice bedeutet, dass ich keinen Zugriff auf die Bürokaffeemaschine habe, die mir diese Mischung aus Kakao und Milchkaffee macht. Aber ich habe gerade festgestellt: Milch mit dunkler Caotina und nem Espresso ist noch viel leckererer. Weil nicht so süß wie das Zeug aus dem Automaten. 

Da das vpn aus unerfindlichen Gründen immer meint, ich sei offline, muss ich mit dem IT Support telefonieren. Der gr kl Mensch konstatiert, dass er kein Wort verstehe. Zwischendurch dem dpd Boten den Empfang eines Pakets quittieren. Die Teller, die ich vorgestern bestellte sind da. Denn unsere Frühstücksteller von Ikea werden immer weniger und die haben aktuell keine hübschen Porzellanteller im Angebot. Die hier sind von Kahla.

12:15 Uhr wir fischen Hühnersuppe aus dem Tiefkühlschrank. Auftauen, Buchstabennudeln rein, fertig ist unser Mittagessen. 

12:50 die Bananen sind mal wieder überreif, also back ich schnell mal wieder ein Bananenbrot. Diesmal aber mal ein neues Rezept. Und wer sich jetzt, so wie ich, fragt, wo man Muscovado-zucker herbekommt: das ist Vollrohrzucker. Gibts bei dm, Rewe oder im Reformhaus (bestimmt auch noch woanders, das waren die stellen, wo ich ihn bisher sah). Und der schmeckt tatsächlich sehr anders als rafinierter Zucker. 

13:30 der gr kl Mensch hätte gerne „Papa Weidt“ vorgelesen. Ich hab jedesmal wieder Gänsehaut, wenn ich das lese. Danach schaut er in der maus-app Sachgeschichten, ich schlage mich weiter mit excel-formatierungen rum.

Zwischendrin bekomme ich eine Mail, dass mein Paket zugestellt worden sei. Der DHL Bote probiert es wochentags gar nicht mehr, uns das Paket persönlich zu übergeben, sondern stellt es direkt am vereinbarten Ort ab. 

15:15 Uhr der Liebste kommt nach Hause. Ich muss noch in die Apotheke, die Reiseapotheke abholen. Malariatabletten, Breitbandantibiotikum (zu dem die Apothekerin meinte, das helfe gegen Grippe. Ja, so hab ich auch geguckt), Mückenschutz, etc. Also gehen wir zu dritt einkaufen, der kl kl Mensch ist bei einem Freund.

16:30 Uhr ich fange schonmal an, die wichtigsten Sachen für die Reise zusammen zu suchen. Ich fliege zwar erst Sonntag, aber ich packe nicht gerne auf den letzten Drücker. 2 Hosen müssen auch noch gebügelt werden, eine noch gesäumt.

Zwischendurch chatte ich mit dem Kollegen, der schon vor Ort ist. Und packe den Stapel DIN A3 Zeichnungen wieder aus. Unnötig. 

19:00 Uhr Abendessen

19:40 Uhr während der Liebste die kleinen Menschen ins Bett bringt räume ich die Küche auf und verarbeite den Rhabarber aus der Gemüsekiste zu Kompott 

20:00 Uhr wir machen eine Flasche Wein auf, öffnen ne Tüte Chips und recherchieren Unternehmungen auf Ameland. Dann suche ich Gummistiefel. Anschließend schauen wir noch eine Folge von „The Americans“ bevor wir ins Bett gehen. 

22:30 Uhr der brötchenteig für morgen früh muss noch gemacht werden. Während der Liebste Brötchen macht, falle ich mal wieder in das YouTube-kanninchenloch.