Eine Winterjacke für den großen kleinen Menschen

Ich nähe ja durchaus auch für die kleinen Menschen und schon vor einiger Zeit habe ich bei Extremtextil einen dicken Faserpelz für die 2. Bekleidungsschicht gekauft, um daraus eine Jacke für den großen kleinen Menschen zu nähen. Ich wusste aber irgendwie nicht so recht, welchen Schnitt ich nehmen sollte. Ich wollte einen schlichten Schnitt ohne Kapuze. Kapuzen an der 2. Schicht versteh ich nicht. Für gegen kalt gibts Mützen, die 1000 mal besser warm halten und für gegen nass ist ja die 3. Schicht da.

Es hat sich bei Unterziehjacken als praktisch erwiesen, wenn die an den Ärmelabschlüssen diese kleinen Daumenlöcher haben. Dann rutsch der Ärmel beim drüberziehen der 3. Schicht nicht hoch.2014-09-03 21.42.49

In der letzten Kinder-Ottobre war genau so ein Schnitt drin. Schlicht, ohne Schnickschnack, ohne Kapuze, ohne Tüdelü und mit Daumenlöchern.

Etwas Respekt hatte ich vor der Verarbeitung des Faserpelzes schon. Er hat eine glatte und eine florige Seite. Das Flor wollte ich innen haben, da ists schön kuschelig auf der Haut. Und die glatte Seite rutscht im Fall auch besser unter der 3. Schicht. Das bedeutet aber, dass man beim Nähen das Flor außen hat. Ich hatte echt Sorge, dass sich das Flor in der Stichplatte verheddert und hatte mich schon auf Nähen mit Seidenpapier eingestellt. Dann erinnerte ich mich wieder, dass ich ja immer mal den 3-Faden-Flatlockstich meiner Overlock ausprobieren wollte. Damit war auch die Frage nach einer sauberen Innenverarbeitung geklärt, denn der Stoff ist schon dick und wenn ich die Nahtzugaben dann zusammen mit der Overlock versäubert hätte, wäre das schon arg wulstig geworden. 100 % geeignet ist der Flatlockstich für den dicken Stoff auch nicht, weil selbst bei Null Fadenspannung an der linken Nadel ist der entstehende Stich nicht locker genug, um den dicken Stoff richtig glatt zu legen. 2014-09-03 21.42.33 Das Zuschneiden war eine riesen Sauerrei, das Flor hat gefusselt wie Hulle!

Die Kanten habe ich mit elastischem Schrägband eingefasst. Das war eine ganz schöne Fitzelarbeit, das Schrägband um den dicken Stoff zu legen und es sauber anzunähen.

Ich habe hiernoch rostrotes 3-Lagen-Laminat von Gore rumliegen. Daraus habe ich mir in der 2. Schwangerschaft einen Einsatz in meine Regenjacke genäht, um Platz für den Bauch zu schaffen und trotzdem weiterhin bei Wind und Wetter Fahrradfahren zu können. Daraus plane ich jetzt noch eine Jacke als 3. Schicht zu nähen.EmilJackeOhneGesicht140906-004EmilJackeOhneGesicht140906-007

Sommerfest bei Drehumdiebolzens

Als Catherine im Mai erzählte, dass die Frozen Cocktails auf ihrer Party der absolute Renner waren, verspürte ich plötzliche den unbändigen Wunsch, auch mal im Sommer ein Fest zu feiern. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine Gartenparty mit Frozen Drinks, Lichterketten in den Bäumen, Bierzeltgarnituren, Planschbecken voller Kölsch und Wasserbomben schmeißende Kinder. Als ich dem Liebsten davon erzählte, war er sofort Feuer und Flamme und fügte diesem Bild noch das i-Tüpfelchen hinzu: Einen fahrbaren Pizzaofen, der vor dem Haus steht und aus dem unsere Gäste von den Jungs und Mädels vom Pizzaprinzip mit frischer Pizza versorgt werden.

Also googlete ich nach Verleihern, die solche Frozen Drink Maschinen (auch Slush Ice Maschine genannt, nur für den Fall, dass ihr nun auch alle diesen Drang nach einem Sommerfest verspürt :D) vermieten und nach Rezepten für Cocktails aus einer ebensolchen Maschine. Letzeres erwies sich als nicht so einfach. Denn im Prinzip sollen diese Maschinen nur in Verbindung mit so fertigen Sirups befüllt werden. Aber das hätte sowohl an meiner Berufsehre als auch an meiner Ehre als Selbermacherin gekratzt. Ich gebe zu, der Phasenübergang Flüssig -> Fest ist jetzt nicht gerade meine Kernkompetenz, ich bewege mich ja eher so im Bereich Gas-Flüssig-Trennung, aber ganz ahnungslos bin ich da ja trotzdem nicht! Mir war klar, dass der Zuckergehalt entscheidend darüber ist, ob man die Maschine kaputt macht oder herrlich sulziges Wassereis produziert (Ja, auch der Alkohol hat einen gewissen Einfluss, aber deutlich weniger als der Zucker). Aber da nichts über die Temperatur herauszufinden war, auf die diese Maschinen die Masse runterkühlen, konnte ich auch nicht einfach selber ausrechnen, wieviel Zucker ich hinzufügen musste. Aber bei der Wikipedia wurde ich schlussendlich fündig, dass es 12-22 % Zucker braucht, damit der Gefrierpunkt hinreichend erniedrigt wird. Jetzt wusste ich also, wieviel Zucker ich meinem wie auch immer gearteten Cocktail zufügen musste. Blieb also nur noch die Rezeptentwicklung. Dafür machte ich dann wissenschaftlich einwandfreie Versuchsreihen.2014-06-16 22.26.26Allerdings wollte ich auch gerne eine alkoholfreie Variante anbieten. Und je mehr ich drüber nachdachte, desto mehr gelangte ich zu der Einsicht, dass die zahlreich eingeladenen Kinder wohl eher auf Erdbeer als auf Limette-Minze abfahren würden. Also entschied ich mich für Erdbeer-Zitrone ohne und Limette-Minze mit Alkohol.

Der Zucker muss selbstverständlich im Wasser gelöst sein, um den oben beschriebenen Effekt der Gefrierpunktserniedrigung herbeiführen zu können. Also bereitete ich ziemlich große Mengen Läuterzucker zu. Außerdem plünderte ich den Strauch Marokkanischer Minze auf unserem Balkon und legte diese in einem Teil des Zuckersirups ein, so dass daraus Minzsirup entstand.

Minzsirup

1 kg Zucker

1 kg Wasser

jede Menge frische Minze

Den Zucker mit dem Wasser aufkochen, die Minze in den heißen, gerade nicht mehr kochenden Sirup legen. 1 Tag durchziehen lassen. Minze wieder herausnehmen, Sirup durch ein Sieb gießen, nochmals aufkochen lassen und in sterilsierte Flaschen abfüllen.

Limette-Minz-Cocktail mit Alkohol

jetzt musste ich ein wenig rechnen. Ich wusste, dass die einzelnen Kammern der Frozen-Drink-Maschine 10 Liter Inhalt hatten. Der Einfachheit halber beschloss ich, dass 10 Liter gleich 10 kg sind (ja, ich weiß, bei 12-22 Gewichts-% Zucker und außerdem Alkohl ist das alles nicht mehr so, aber in Anbetracht der Messgenauigkeit der mir zur Verfügung stehenden Messinstrumente ist diese Vereinfachung legitim, trust me!). Allzu süß sollte das ganze nicht werden, aber ich wollte auch ein bisschen Abstand zur untere Grenze des Zuckergehalts haben, weil wegen Messungenauigkeit, vereinfachte Annahmen und so. Wir nennen das Sicherheitszuschlag. Also beschloss ich, 15 % Zuckergehalt anzustreben. Also mussten 1,5 kg Zucker in die Mischung. Der Sirup hatte einen Zuckergehalt von 50 Gewichts-%, also mussten 3 kg Minzsirup rein. Die nächste Frage war: Wieviel Alkohl? Ich entschied mich, mal so 10 Vol-% anzustreben (ja, auch hier: Ich weiß, Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus, also ist das dann alles ein bisschen anders, aber ob es nun 10 Vol-% oder 9,5 Vol-% sind, who cares?). Wenn ich 10 Liter Cocktail mit einem Alkoholgehalt von 10 Vol-% haben möchte, heißt das also, ich brauche 1 l reinen Alkohol (Der wäre aber unverhältnismäßig teuer bzw auf legalem Wege auch sehr schwer beschaffbar). Da ich keinen Rum mag, nahm ich Pitu als Alkoholquelle. Der enthält laut Etikett 40 Vol-% Alkohol (hm, bei welcher Temperatur?). Es mussten also 2,5 Liter Pitu in die Mischung. Da ich 2x 0,7 und 1x 1 Liter kaufte, waren es schlussendlich nur 960 ml Alkohol. Jetzt musste noch der Geschmack abgestimmt werden. Also kippte ich eine Flasche Limettensaft nach der anderen in die Mischung, aber es brauchte insgesamt 4x 0,75 Liter Limettensaft, bis es nicht mehr pappsüß schmeckte. Den Rest füllte ich mit Wasser auf, gab noch eine gute Handvoll ganz fein gehackte Minze hinzu und stellte die Frozen Drink Maschine an.

tl;dr

3 kg Minzsirup

2,4 Liter Pitu

3 Liter Limettensaft

auf 10 Liter mit Wasser auffüllen

1 gute Handvoll feingehackte Minze

Erdbeer-Zitronen-Cocktail (ohne Alkohol)

Weitere Recherchen ergaben, dass Erdbeeren von sich aus einen Zuckergehalt von um die 12 Gew-% haben. Die Erdbeeren kauften wir bereits im Juni, als sie so richtig schön süß und aromatisch waren. Wir pürierten 2,5 kg Erdbeeren, füllten das Pürree in Gefrierdosen und bewahrten sie im Tiefkühlschrank auf. Am Freitag abend nahmen wir sie wieder aus dem Tiefkühlschrank, nur um sie am Samstag wieder einzufrieren. Energieeffizient geht anders, ähem…

Die verbleibenden 7,5 kg der Mischung brauchten jetzt also auch wieder einen Zuckergehalt von 15 Gew-%. Also 1,125 kg Zucker oder aber auch 2,25 kg Sirup. Und weil das ja das Kindergetränk werden sollte, kam hier auch nur 1 Flasche (750 ml) Zitronensaft rein. Den Rest wieder mit Wasser auf 10 Liter aufgefüllt.

tl;dr

2,5 kg pürrierte Erdbeeren

2,25 kg Zuckersirup (50 Gew-%)

750 ml Zitronensaft

auf 10 Liter mit Wasser auffüllen

Schon bevor die Party überhaupt losging, hatten wir auf die Weise schon jede Menge Leergut produziert

2014-08-23 13.45.13Beide Mischungen brauchten dann ca 2 Stunden, bis sie eine richtig schön sulzige Konsistenz entwickelten. _DSC1618Und ich sag euch, beide Drinks waren saulecker und auch toll miteinander mischbar! Ein voller Erfolg! 20 Liter Cocktails wurden von 38 Erwachsenen und ner ganzen Menge Kindern restlos weggetrunken! (Dass wir noch ca 2,5 Kisten Bier von 3 übrig haben, darüber hüllen wir hier ganz dezent den Mantel des Schweigens… Und auch andere Getränke haben sich wahrscheinlich etwas wenig beachtet gefühlt, kamen aber zum Einsatz, als die Frozen Drinks alle waren)_DSC1619Die andere Attraktion des Abends waren die frischgebackenen Pizzas vom Pizzaprinzip. Um 15 Uhr kam das 3-köpfige Team und feuerte den fahrbaren Steinofen mit Buchenholz an2014-08-23 15.30.51 und ab ca. 17 Uhr begann dann der Spaß mit Pizza Bianca (hachdünn ausgerollter Pizzateig mit Olivenöl bestrichen und mit Salz und Rosmarin bestreut), gefolgt von Margharita, Salami, Cipolla Piccantina, Salsicce, Napoli und zum Nachtisch gabs dann Pizza Nutella! Ja, das schmeckt und es wurde von mehreren anwesenden Italienerinnen bestätigt, dass das kein Frevel sei (und Italienerinnen können sehr dogmatisch in Bezug auf italienisches Essen sein!). Da wir das Gartenfest ja leider aufgrund der herbstlichen Witterung spontan zum Wohnungsfest umgemodelt hatten, wurde uns die Pizza sogar von unten, wo der Ofen auf der Straße stand, nach oben in den 1. Stock gebracht. Jede konnte sich am herumgetragenen Teller so viel bedienen, wie sie wollte und es wurde laufend Nachschub geliefert. Und wirklich jede Pizza war geschmacklich grandios! Tolles Konzept, dieses PizzaPrinzip. Ganz klare Empfehlung, falls ihr im Raum Köln/Bonn wohnt und mal ein etwas anderes Catering für eure Party wollt.

Dank der tollen Gäste, die durch sehr leckere mitgebrachte Salate, Desserts und Kuchen auch noch zur totalen Überfütterung beitrugen hatten wir ein wunderschönes, sehr entspanntes und mit minimalem Arbeitsaufwand vorbereitetes Sommerfest im herbstlichen August (nie wieder plane ich ein Draußenfest im August, auf unserer Hochzeitsfeier 2010 war es auch schon ziemlich frisch und feucht).

MeMadeMittwoch – mit Blumen im Haar

Bild

Als ich diesen Schnitt das erste Mal bei Catherine sah, war mir klar, was ich aus dem auberginefarbenen Stoff mit grau-schwarzen Streifen machen möchte. Eigentlich dachte ich, dass ich das noch im September letzten Jahres mache, aber wie das immer so ist, es ist immer viel zu wenig Nähzeit. Nunja, genau ist es jetzt mit dem Jacket zur Kniebundhose. Muss wohl auch bis zum Herbst warten. Aber so war dann wenigstens klar, was ich als erstes Frühlingskleid 2014 nähe. Der Schnitt (Simplicity 2403) ist out-of-print, aber in den USA kann man ihn noch als reprint bestellen. Ich bin nicht die Einzige, die diesen Schnitt unbedingt haben wollte, also gabs mal wieder eine Nähnerdsammelbestellung von Schnittmustern in den USA. Lotti hat schon mehrere tolle Kleider nach diesem Schnittmuster genäht. Sie brachte mich auch auf die Idee mit den Paspeln

Allerdings hatte sie auch erwähnt, dass der Schnitt für größere Körbchengrößen eher knapp ausfällt. Das hatte ich aber irgendwie verdrängt und habe es in Größe 18 zugeschnitten. Dank der Princessnähte am Oberteil konnte ich noch ein bisschen was rauslassen, aber die Knopfleiste, die ich zum Glück noch nicht geschlossen hatte, bekam ich beim besten Willen nicht zu. Also hab ich einfach einen Streifen in den Ausschnitt eingenäht und sag jetzt einfach, das gehört so!Bild

Das nächste Mal werde ich aber wohl eine Größe größer zuschneiden (Mist, den Schnitt mit seinen 13 Schnittteilen nochmal kopieren…) Das ist wirklich meine größte Kritik an dem Schnitt, diese echt vielen Teile. Ich mag kopieren und zuschneiden nicht besonders.

Das nächste mal werde ich eine Variante mit Stoffmix ausprobieren, so dass es dann so aussieht, als trüge ich eine in den Rock gesteckte Bluse.

Da es morgens noch recht kühl ist, habe ich noch ein Wickeloberteil drüber gezogen.Bild

Wie andere das Problem mit kaltem Morgen, sommerlichen Temperaturen am Mittag und selbstgenähten Kleidern lösen, seht ihr beim MeMadeMittwoch