Blau machen oder Spaß mit Photochemie

Ich weiß, sonderlich früh dran bin ich nicht mit meinen photochemischen Experimenten. Cyanotypie ist schon seit einigen Jahren groß in Mode und Inkodye gibt es nun auch schon einige Zeit.

Jetzt ist aber nun so, dass das eine eher vorraussetzungsreiche Technik ist. Man braucht die Chemikalien, es muss einigermaßen gutes Wetter sein und Ruhe beim rumexperimentieren ist definitiv hilfreich für sicheres Arbeiten und schöne Ergebnisse.

Als ich in Berlin war, entdeckte ich bei Dussman ein Cyanotypieset, bei dem das Papier bereits vorbereitet ist, so dass man sich den Schritt mit dem zusammenmixen der Lösungen und das aufbringen derselben auf den Untergrund sparen kann. Mit diesem Set zauberte der große kleine Mensch auf Anhieb eine wirklich tolle UnterwasserweltCyanotypie01Das Prinzip ist simpel: Das Papier ist mit einem lichtempfindlichen Stoff (Mischung aus Kaliumhexacyanidoferrat(III) und Ammonium-oxalatoferrat(III)) beschichtet. Im abgedunkelten Raum packt man das Papier aus, legt die Motive, die man abbilden will, drauf (hier: Fische und Schwamm aus Pappe ausgeschnitten, Wasserpflanzen aus Rosmarin und Thymian) und legt das ganze dann für ein paar Minuten in die Sonne. Dadurch bildet sich an den belichteten Stellen wasserunlösliches Berliner Blau. Dann geht man zurück in den abgedunkelten Raum, wo man aus dem unbelichteten Teil im Wasserbad das Kaliumhexacyanidoferrat(III) und das Amonium-oxalatoferrat(III) auswäscht und das Bild dadurch fixiert. Das ist eine ziemlich coole Sache, weil sich im Wasserbad das Bild vom negativ zum positiv umkehrt.

In dem Set waren leider nur 4 kleine Bögen des Papiers. Eine kurze Recherche ergab aber, dass man es recht einfach im Fachhandel bekommt. Weil ich dem großen kleinen Mensch sein Papier nicht wegnehmen wollte, kaufte ich also noch 10 weitere Bögen, die mit 19×14 cm auch etwa doppelt so groß sind wie das Papier vom großen kleinen Menschen.

Heute hatte ich frei und der Liebste ist mit den kleinen Menschen nach Schwaben gefahren. Und es ist wunderbarstes Wetter. Die besten Vorraussetzungen für weitere Experimente also! Statt über einfaches Abschatten wollte ich diesmal mit richtigen Fotos, die ich als schwarz/weiß Negativ auf Overheadfolie ausgedruckt hatte, arbeiten. Ich suchte mir 2 Bilder aus, entsättigte und invertierte sie in Lightroom und druckte sie auf Folie aus. Dann nahm ich im abgedunkelten Zimmer einen Bogen des Papiers aus der schwarzen Plastiktüte, legte es auf die Rückseite eines Bilderrahmes, legte das Negativ drauf und fixierte das ganze mit der Glasplatte des Bilderrahmens. Das ganze legte ich dann um die Mittagszeit in die Sonne für etwa 5 Minuten.2015-06-04 13.49.34 Als das Bild dann im Wasserbad schwamm,2015-06-04 13.54.04 und langsam von negativ zu positiv wurde 2015-06-04 13.56.34bemerkte ich plötzlich, dass da noch ein Bild lag. Aus Versehen hatte ich nämlich 2 Bögen aus der Packung genommen und gespapelt belichtet. Das war ein wirklich sehr sehr toller Moment, als ich feststellte, dass ich ganz unbeabsichtigt mehr experimentiert hatte als geplant. Denn dadurch, dass das eine Papier unter dem anderen lag, war die Belichtungsintensität natürlich eine andere.2015-06-04 13.59.39Nach dem auswaschen ließ ich die Bögen trocknen und scannte sie schließlich ein (irgendwie schon leicht absurd, dass man ein digitales Bild nimmt, auf Folie ausdruckt, damit ein minderwertiges Photopapier belichtet, um es anschließend per Scanner wieder zu digitalisieren…). Im Endergenis kann man noch immer erkennen, welches Bild unten lag beim Belichten.Cyanotypie_Fels2 Cyanotypie_Fels1Beim nächsten Versuch achtete ich darauf, wirklich nur einen Bogen aus der Packung zu nehmen und belichtete es auch kürzer. Trotzdem ist es auch recht dunkel geworden.Cyanotypie_AlpenAls nächstes probierte ich die noch etwas elaboriertere Inkodye aus. Die gibt es in verschiedenen Farben, stinkt mörderisch nach Ammoniak und ist für Stoff gedacht (Ich vermute, hier handelt es sich um Diazotypie). Also schnappte ich mir Reste des Baumwollnessel, den ich für Probestücke beim Nähen verwende und strich etwas von der blauen Inkodye drauf. Es war auch ein Probenegativ mit in der Packung, was ich auf ein Stück legte. Auf das andere legte ich Sicherheitsnadeln und Knöpfe. Dann wieder ab in die Sonne damit2015-06-04 14.41.41nach ein paar Minuten sah es so aus2015-06-04 14.50.30In der anleitung stand, dass man eher kontrastreiche Fotos auswählen solle und meine Erfahrung mit dem Papier hatte dies ja durchaus auch gezeigt. Also stöberte ich noch ein bisschen weiter im Bilderordner und suchte nach einem schlauen Spruch. Mit Gimp bastelte ich den schlauen Spruch dann aufs Foto, entsättigte, invertierteDie_gute_Zeit_inverted und druckte das Negativ 2x aus. Anschließend klebte ich die beiden Folien übereinander um so ein stärkeres Negativ zu erhalten (stand als Tip in der Inkodye-Anleitung). Dann wieder das gleiche Spiel, diesmal mit orange. Fixiert wird das ganze dann mit einem speziellen Waschmittel in der Waschmaschine. Damit sich die auch lohnt, bedruckte ich zu guter Letzt noch eine fertige Baumwolltasche mit dem Motiv. Und nun hängt alles auf der Wäscheleine und trocknet.2015-06-04 19.08.12 2015-06-04 19.07.57 2015-06-04 19.07.49

Bananenbrot

Irgendwie haben wir in letzter Zeit Probleme die Bananen, die in der Gemüsekiste meistens drin sind, zu essen. Und irgendwann sind sie dann so dunkel, dass selbst ich sie nicht mehr essen mag. Deshalb backe ich in letzter Zeit ziemlich häufig Bananenbrot. Am Mittwoch abend zum Beispiel. Und am Donnerstag erzählt der große kleine Mensch mir, dass er auch ein Stück davon haben wolle. Der große kleine Mensch? Der weder Schokolade noch Bananen mag? So recht konnte ich das nicht glauben. Und weil er dann im allgemeinen Trubel dann doch kein Stück aß, aß ich es dann am Donnerstag abends spät noch. Freitag morgen gab es dann ein riesen Theater, weil der Kuchen alle war. Also buk ich Freitag abend das nächste Bananenbrot. Und wir frühstückten es Samstag. Auch der große kleine Mensch!

Das Rezept kam vor bestimmt 25 Jahren irgendwie zu uns. Ich glaube, meine Eltern und wir Kinder waren irgendwo zum Kaffeetrinken eingeladen und dort gab es diesen Kuchen und wir haben uns das Rezept geben lassen. Seither ist das definitiv mein liebster Kuchen. Später fand ich das Rezept dann auch noch im Wilnsdorfer Kochbuch. Dort heißt es Bananen-Gewürzkuchen. Irgendwann bemerkte ich, dass ich dank dieses Rezepts einen veganen Kuchen im Repertoire habe, der ganz ohne Soja auskommt!

Man braucht:

250 g Margarine

250 g Zucker

3-4 reife Bananen, zerdrückt

300 g Mehl

1/2 Päckchen Backpulver

1 TL Natron

1 TL Zimt

1/2 TL Nelken

1 Prise Muskat

2 EL Kakao

100 g Schokolade

(2 EL Rum) ich machs ohne, schmeckt trotzdem sehr gut

Margarine mit Zucker schlagen, zerdrückte Bananen dazu. Dann das Mehl mit dem Backpulver, dem Natron, den Gewürzen und dem Kakao dazu geben. Die Schokolade schmelzen, unter den Teig ziehen.

Den Teig in eine gefetteteKastenform geben, bei 180 °C für 50 min in den Backofen. Mittels Stäbchenprobe testen, ob der Kuchen durch ist.

Ich hab diesmal nur die halbe Menge gemacht und in einer Königskuchenform gebacken. Und die passt einfach vorzüglich zum Herzdamekleid.herzdamekleid_150424-005

Wer gerne Bananenbrot isst und auch mal ein anderes Rezept ausprobieren möchte, der kann ich das Banana Bread von Orangette sehr empfehlen!

Maultaschen selbermachen?

Als meine Eltern die Einliegerwohnung unseres Hauses an einen Schwaben vermietete, lernte ich Maultaschen kennen. Die brachte er nämlich immer aus seiner Heimat mit und wir waren total wild drauf. In der Rückschau kann ich es gar nicht mehr fassen, dass es in den 1990er Jahren im Siegerland keine Maultaschen gab. Dann lernte ich den Liebsten kennen und der hatte sehr genaue Vorstellungen davon, wie Maultaschen beschaffen sein müssen, damit sie seinem strengen Qualitätsurteil genügen. Eigentlich gab es nur eine Sorte, die das konnte: die Maultaschen seiner Oma. Und als ich sie das erste mal aß, wusste ich auch, warum. Ich kann zwar auch nach wie vor hier im Supermarkt Maultaschen kaufen und mag sie gerne, aber das ist eher so ein „Ich möchte jetzt schnell und unkompliziert was warmes essen“ Kategorie. Ich mag so gut wie kein Conviencefood, gekaufte Maultaschen sind da eine der wenigen Ausnahmen. Das Originalrezept der Oma vom Liebsten verlangt nach etwas, das sich „Wengertgräs“ nennt. Ein schnittlauchähnliches Kraut, das im Weinberg wächst. Sowas gibts hier nicht, aber es geht zur Not auch mit Schnittlauch 😀 Die Oma des Liebsten war außerdem auch sehr heikel, was den Nudelteig anging, der musste aus einer ganz bestimmten lokalen Nudelfabrik kommen. Auch hier müssen wir in der rheinischen Diaspora leider Kompromisse eingehen und fertige frische Nudelteigplatten aus dem Kühlregal benutzen. Man braucht:

  • 1 kg frische Nudelteigplatten. Wer eine Nudelmaschine hat, macht sie wahrscheinlich am besten selber, wir haben fertigen Nudelteig aus dem Kühlregal gekauft.
  • 500 g Hackfleisch
  • 500 g Fleischbrät (gibt es beim Metzger, oft schon vorportioniert in so Aluschalen als Fleischkäse)
  • 1 sehr fein gehackte Zwiebel
  • 50 g ganz fein gewürfelter Schinken
  • 250 g gehackter Tiefkühlspinat
  • 1 Bund feingehackte glatte Petersilie
  • 1 Ei
  • 2 Bund feingehackter Schnittlauch
  • 3 Brötchen vom Vortag
  • Salz, Pfeffer, Muskat

Die Brötchen in lauwarmen Wasser einweichen. Die Zwiebeln und den Schinken in einer Pfanne andünsten. Den Spinat auftauen und ausdrücken. Ebenso die eingeweichten Brötchen ausdrücken. Fleisch mit den Brötchen, Zwiebeln, Schinken, Spinat, Kräutern, Ei, Salz, Pfeffer und Muskat in einer Schüssel vermengen.SchwaebischeMaultaschen141207-001 Den Nudelteil portionsweise ausbreiten und die Ränder mit verkleppertem Ei bestreichen. SchwaebischeMaultaschen141207-002

Nun die Fülle auf die Nudelplatte in kleinen Haufen auf der Platte verteilen. Es kommt auf das Format der Nudelplatten an, wie man die Fülle verteilt. Die Teigplatte sollte in 5x10cm große Rechtecke eingeteil werden. Die Fülle dann auf eine Hälfte dieser Rechteck platzieren und rundherum nochmal mit Ei einpinseln. Aus dieser Teigplatte kann man 9 Maultaschen formen. SchwaebischeMaultaschen141207-003Wenn man die Fülle auf der Teigplatte verteilt hat, die Rechtecke zuschneiden, die freie Hälfte über die Fülle schlagen und am Rand überall ganz fest drücken.

SchwaebischeMaultaschen141207-006SchwaebischeMaultaschen141207-0053-5 Maultaschen in einem großen Topf ins leicht simmernde (Fleisch)brühe legen. Auf keinen Fall darf es richtig kochen, das würde die Maultaschen zerreißen. Nun solange warten, bis die Maultaschen oben schwimmen. SchwaebischeMaultaschen141207-009Mit einer Schaumkelle aus dem Wasser fischen und auf ein Gitterrost legen.SchwaebischeMaultaschen141207-007So nach und nach alle Maultaschen garen. Da das ganze ja doch ein bisschen Aufwand ist, man aber vor allem das Fleischbrät nicht in beliebig kleinen Portionen kaufen kann, wir also immer recht viel Fülle haben, machen wir meistens direkt richtig viele und packen dann immer 6 Stück in einen Gefrierbeutel und frieren sie ein. Convienencefood selbstgemacht sozusagen. Bei Bedarf aus dem Gefrierschrank nehmen, in leise simmernde Brühe legen und so ca 15 min auftauen.SchwaebischeMaultaschen141207-008Aber natürlich essen wir einen Teil auch sofort. Angerichtet werden sie in einem tiefen Teller mit der Brühe und Schnittlauch bestreut.SchwaebischeMaultaschen141207-010Und die schmecken so unglaublich viel besser als alles, was man kaufen kann. Sie sind einfach viel aromatischer, aber vor allem viel fluffiger.

anNÄHerung 2015

So, wir haben es wieder getan. Susi, Alexandra und ich haben 34 andere Nähnerds nach Bielefeld gelockt, um mit uns gemeinsam das Wochenende durchzunähen.

Und nun sitze ich hier, einerseits noch total beseelt von der tollen Atmosphäre vor Ort, den tollen Frauen in dieser Vielfalt, die sich alle so unvoreingenommen und herzenswarm begegnet sind. Andererseits traue ich mich kaum, von diesem unfassbar tollen Ereignis zu schwärmen, weil es ganz offensichtlich Begehrlichkeiten weckt, denen ich mich nicht gewachsen fühle.

Wir haben schon im Vorfeld gemerkt, dass auch locker 50 Nähnerds dem Ruf nach Bielefeld folgen würden und haben Möglichkeiten diskutiert, wie wir diesen Wünschen nachkommen könnten. Wir haben uns seinerzeit, als wir die erste anNÄHerung planten, bewusst für einen überschaubaren Kreis entschieden. Urspünglich geplant waren 30 Plätze, 2014 waren es, wie auch 2015 schlussendlich 37 Frauen, die gemeinsam genäht, gefachsimpelt, gefeiert, ermutigt, gelacht und geflucht haben. Und mit diesen 37 Personen und geschätzt 50 Nähmaschienen, 3 Bügelbrettern, 1 Spiegel, 1 Schneiderpuppe, 1 Dampfdingsi, 2 Pinnwänden, 1 Getränkekühlschrank und 1 Wühltisch war der größte Seminarraum, den die Jugendherberge zu bieten hat, einfach auch voll. Also überlegten wir im Vorfeld, ob es vielleicht sinnvoll wäre, den nächstkleineren Seminarraum noch mit dazu zu nehmen, um noch mehr Teilnehmerinnen akzeptieren zu können. Wir haben uns dagegen entschieden. Es wäre einfach nicht das gleiche, wenn es noch einen Nachbarraum gäbe. Man hätte ständig das Gefühl, man könnte was verpassen. Viele haben berichtet, dass sie die Zeit intensiv zum nähen genutzt haben und es schade finden, nicht mehr mit anderen in Interaktion getreten zu sein. Ich glaube aber, dadurch, dass wir alle in einem Raum waren, gab es auch viel passive Interaktion. Die wäre bei einem 2. Raum in 2 Lager geteilt. Und auch in den festen Pausenzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) gab es durch die begrenzte Gruppengröße die Möglichkeit, wirklich mit jeder mal am Tisch gesessen zu haben. Das hat sich ganz automatisch so ergeben und fühlte sich sehr natürlich an.

Hinzu kommt, dass es eben auch organisatorisch einen Unterschied macht, ob man von 37 Frauen Anmeldungen abheftet, die Zahlungseingänge kontrolliert, Listen mit Essenswünschen, Zimmerbelegung, etc erstellt, Namensschilder eintütet (Danke an Antonia und Antje, die das diesmal während der Autofahrt erledigten!), und und und, oder ob man das für 50 Personen tut. Für 37 ist das ein überschaubarer Aufwand, den ich gemeinsam mit Susi und Alexandra gerne betreibe. Und das Lob, das man jetzt bei all den Rückblicken lesen kann, tut gut und gibt uns Recht, dass wir die Orga gut gemacht haben. Ob das bei noch mehr Personen der Fall wäre? Ich möchte es, ehrlich gesagt, gar nicht ausprobieren.

Wenn man sowas zu dritt in seiner Freizeit organisiert, ist es eigentlich wirklich nicht viel Aufwand, vor allem, wenn man es häufiger als einmal macht. Ich schreibe in den nächsten Tagen mal auf, was wir so grob gemacht haben in der Hoffnung, noch andere anzustiften, Ableger der Bielefelder anNÄHerung zu organisieren, damit noch viel viel mehr Menschen in den Genuss dieser wirklich tollen Veranstaltung kommen. Ich glaube nämlich nicht, dass nur wir das organisieren können. Und ich bin auch gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Wie wir die Anmeldung für nächstes Jahr organisieren, wissen wir noch nicht. Das werden wir in den nächsten Wochen mal miteinander bequatschen. Und bis dahin wäre ich dankbar, wenn der Hype wieder etwas abflauen würde. Ich habe schon jetzt bereits den Überblick verloren, wer sich wo über welchen Kanal „angemeldet“ hat.

So, lange Vorrede, ich weiß. Jetzt mein Rückblick.

Nachdem Antonia und ich letztes Jahr zu zweit das Auto ziemlich voll geladen hatten, wussten wir diesmal, was wir zu Hause lassen konnten und haben stattdessen Antje mitgenommen. Das war ein guter Tausch! Wir kamen super durch auf der Autobahn und waren sehr früh in Verl beim Marc Aurel Outlet, wo ich es schaffte, mich stofftechnisch wirklich zurück zu halten. Nur ein wirklich toller Wollstrick, ein grauer Baumwollstoff und 1 m Futter durften mit. Außerdem noch ettliche Meter Ripsband, Einfassgummi, Garn und Knöpfe. Und dann sah ich da noch ein Paar wunderschöne Lackschuhe stehen. Für 20 Euro, weil schon getragen. Von einem Model bei einer Modenschau.kleid150120-009 Schon dort trafen wir ein paar andere Teilnehmerinnen, die ich vom letzten Jahr kannte bzw regelmäßig beim Kölner Nähnerdstammtisch treffe.

Die Ankunft in der Jugendherberge war viel weniger aufregend und viel mehr freudiges Wiedersehen als beim letzten Mal. Schön!

Ich hatte mir diesmal ein weniger aufwändiges Projekt vorgenommen. Simplicity 2403. Schon zweimal genäht, Schnitt angepasst, das sollte sicher in 2 Tagen fertig zu nähen sein. Vor allem, weil der Stoff für Ärmel nicht mehr reichte. Auch wenn ich vorsichtshalber noch ein Backupprojekt mitnahm, ich habe es nicht angefangen. Aber ich wurde fertig mit dem Kleid! Yeah!!! Faszinierend, dass ich auch beim dritten Mal nähen noch immer was anpassen musste. Aber dank Antonias Hilfe war das viel schneller erledigt, als wenn ich da allein vor dem Spiegel rumgehühnert hätte.

Und auch ich bin voller Liebe für mein Paspelfüßchen. So gleichmäßig hab ich noch nie eine Paspel angenäht (okay, so oft hab ich ja sowieso noch keine Paspel angenäht). Liebe Nähmaschinenhersteller, solltet ihr einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Paspelfüßchen feststellen: Dankespost und weitere Nähfüßchen, die wir dann anpreisen können bitte an uns 😉

Den Reißverschluss musste ich zwar trotzdem 1 mal raustrennen, aber im Vergleich zu meiner unfassbar geduldigen Nachbarin Antonia, die 4 (!!!) mal die Ärmel aus ihrem Kleid (flutschige Viskose, ich wäre wahnsinnig geworden) kann ich mich da wirklich nicht beklagen! Und nun passen die Nähte auch annähernd perfekt.kleid150120-006

Montag nahm ich mir nach einem Blick in den Kalender (keine Besprechungstermine \o/) spontan frei, da dieses Wochenende einfach doch sehr viele Eindrücke, sowohl körperlich (gähn) als auch seelisch hinterlassen hatte und ich so sehr viel sanfter wieder in der Realität landete. Nächstes Jahr nehme ich mir von vornherein Freitags und Montags frei!

Montag nähte ich dann auch noch schnell das nicht umgesetzte Zweitprojekt, so dass ich also unter das ärmellose Kleid nun auch ein adrettes Langarmshirt mit Blusenmanschetten ziehen kann.kleid150120-003Ich weiß, es klingt, als wären wir auf irgendeinem Erweckungswochenende einer obskuren Sekte gewesen. Aber es war wirklich einfach so unfassbar flauschig, wie es alle beschreiben. Liebe Teilnehmerinnen, es war mir eine große Freude, diese Insel der Flauschigkeit gemeinsam mit den weltbesten Schwestern im Geiste Alexandra und Susi, für euch organisiert und verbracht zu haben. Ihr alle habt es zu dem gemacht, was es war: Ein rauschhaftes, unglaublich motivierendes und zugewandetes Wochenende!

All die andern Lobhudeleien sammelt Alexandra.

Jetzt also doch noch ein Weihnachtskleid

So, kurz vor knapp war ich dann plötzlich der Meinung, ich brauche doch unbedingt ein neues Kleid für morgen abend. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich gestern abend endlich endlich die Coverlock, die ich im November Mo.ni.kate abkaufte, ausprobiert hab. Irgendwie hatte ich ziemlichen Respekt vor dem Ding und außerdem war ich abends nach der Arbeit meist so platt, dass ich dann keinen Nerv mehr hatte, mich noch mit einer neuen Nähmaschine auseinander zu setzen. Und dann waren da ja auch noch die ein oder anderen selbstgemachten Weihnachtsgeschenke, die ich auf meiner To-Do-Liste stehen hatte…

Also reifte gestern abend beim Einschlafen dieses unbändige Bedürfnis nach einem neuen Kleid heran. Heute morgen beim Aufwachen war es noch immer da. Und für so ein last minute Projekt war klar: es geht nur ein Schnitt, der schon abgepaust ist und der keine Anpassung braucht. Jersey drängt sich da ja quasi auf…

Bei meiner letzten Bestellung beim Roten Faden hatte ich mal auf Verdacht 3m schwarzen Viskose-Romanit (ürbigens absolute Empfehlung, der Stoff ist toll!) bestellt und dem sollte es nun also an den Kragen. Nur welches Schnittmuster? Ich entschied mich schlussendlich für Kleid 109 aus der Burda 9/12. Ich hab schon vor fast 2 Jahren eine ärmellose Variante aus sehr dickem Wollstoff genäht, die an sehr kalten Tagen gute Dienste leistet, aber es bisher noch nicht in den Blog geschafft hat. Den Ärmel hatte ich auch schon abgepaust, irgendwann wollte ich mal die Pullover-Variante des Schnittes (weil eigentlich wird ja jeder Schnitt in so einer Burda mindestens zu drei „Modellen“ verwurstet) nähen. Hab ich dann aber doch nie. Aber könnte demnächst durchaus passieren. Ich bin nämlich ziemlich angetan von meinem neuen Kleid. Sehr schlicht, kein Schnickschnack und ich habe alle drei Nähmaschinen benutzt um es zu nähen. Ich habe nämlich vor nicht allzulanger Zeit endlich gecheckt, dass hochgeschlossen nix für mich ist. Also habe ich dem Schnitt kurzerhand einen V-Ausschnitt verpasst. Da ich aber zum einen mit der Coverlock rumprobieren wollte (und ich sagte es ja bereits, für Probestücke bin ich zu ungeduldig, no risk, no Kleid ist da eher meine Devise) habe ich den V-Ausschnitt dann auch nicht mit einem Beleg oder so versäubert, sondern ganz einfach nur rumgeklappt und mit der 2-fach-Covernaht festgesteppt.kleid_141223-013Den Schnitt nähte ich, wie gesagt, das erste mal vor fast 2 Jahren. Damals hatte ich den Schnittkonstruktionskurs noch nicht gemacht und auch ansonsten noch wenig Ahnung von Schnittanpassung. Also pauste ich in Gr. 44 ab, weil diese Größe in etwa meinem Brustumfang entsprach. Heute weiß ich, dass ich in den Schultern und im Oberbrustbereich eher eine 40-42 brauche. Unter der Brust scheint es mir gerade eher etwas zu eng zu sein, oder interpretiere ich da die Falten falsch?

Da das Kleid aber aus Jersey ist, ist das mit der Passform aber sekundär. Es ist megabequem und das erste Jerseykleid, das ich ohne mit der Wimper zu zucken ins Büro anziehen würde. Dann aber eher sokleid_141223-009Da wir den Baum, so wie es sich gehört, erst am 24. schmücken (dieses Jahr mit Dinos!!!), gibt es keine Fotos vor dem Weihnachtsbaum.

 

Meine liebsten Nähgadgets

Ich gebe es zu, ich stehe auf Gadgets und fancy Werkzeug. Auch das, ähnlich wie meine Schwäche für Industriekultur, vielleicht eine Berufskrankheit.

Mit Frau Lotterfix entstand vor ein paar Tagen die Idee, Ideen für einen Nähnerd-Wunschzettel zu sammeln. Sie bespricht die Bücher, ich die Gadgets.

Heißgeliebt und vielbenutzt:

  • Rollschneider und Schneidematte: miriam_naehutensilien_141125-009So gut wie alles schneide ich mit dem Rollschneider zu. Man kann das Schnittmuster auf den Stoff legen, muss nichts mit Nadeln festheften, ein paar Teelichthalter als Gewichtemiriam_naehutensilien_141125-011 reichen aus, und der Stoff verschiebt sich bei sorgfältiger Benutzung und regelmäßigem Klingenwechsel nur minimal. Dehnbare Stoffe sind etwas schwieriger, aber auch da nutze ich eigentlich immer den Rollschneider.

 

  • Kreiderad mit Abstandshalter: miriam_naehutensilien_141125-007Gekauft, weils so unglaublich praktisch aussah, dann erstmal nicht benutzt, weil ich den Eindruck hatte, dass sich der Stoff beim benutzen immer verschiebt, bis ich kapiert habe, dass ich gar nicht so fest drücken muss. Einziger Nachteil: kleinster Abstand sind 1,5 cm. Ich hätte manchmal aber auch gerne nur 1 cm…

 

  • Patchworklineal: miriam_naehutensilien_141125-014Zum Zuschneiden von rechteckigen Stücken und (Bündchen-)Streifen einfach spitze!

 

  • magnetisches Nadelkissen:miriam_naehutensilien_141125-021 Es liegen zwar trotzdem noch überall Nadeln auf dem Teppich im Nähzimmer, aber da ich, wenn überhaupt, Stoffteile aufeinander stecke und nicht hefte, ist dieser Magnet Gold wert, wenn ich die Nadeln beim Nähen rausziehe und einfach nur in der Nähe des Nadelkissens fallen lassen kann.

 

  • Bandeinfasser: miriam_naehutensilien_141125-027Als ich herausfand, dass es sowas gibt, war ich total aus dem Häuschen. Ich finde eingefasste Kanten nämlich äußerst hübsch, aber hatte immer damit zu kämpfen, dass sie ordentlich aussahen. Der Bandeinfasser erfordert zwar auch ein bisschen Übung in der Handhabung, aber es geht trotzdem deutlich schneller als Schrägband bügeln, eine Seite annähen, umfalten, andere Seite annähen. Und wenn man langsam und sorgfältig arbeitet, sind gerade Kanten auch wirklich sauber eingefasst. Rundungen erfordern etwas mehr Übung.

 

  • Handmaß und neuerdings der Saum-Messer: miriam_naehutensilien_141125-006Zum Anzeichnen der verschiedensten Abstände wie Nahtzugabe, Saumzugabe.

 

  • Frixion-Stifte:miriam_naehutensilien_141125-017 Lassen sich wegbügeln und sind auf manchen Stoffen besser sichtbar als Kreide.

 

  • Kopierrädchen und Kopierpapier: miriam_naehutensilien_141125-010Zum Übertragen von Abnähern und anderen Markierungen. Besonders effizient, wenn man als ganz unten ein Blatt Kopierpapier mit der farbigen Seite nach oben legt, darauf den Stoff, linke Seite nach unten, darüber das gegengleiche Stoffteil, linke Seite nach oben, dann wieder ein Blatt Kopierpapier farbige Seie nach unten und darüber das Schnittmuster. Dann mit dem Kopierrädchen die Markierungen durchrädeln und schon hat man für beide Seiten die Markierung auf den Stoff übertragen.

 

  • Bügelei:miriam_naehutensilien_141125-019 Zum Ausbügeln von Abnähern sehr sehr praktisch, da die Abnäher den Stoff ja aus der 2. in die 3. Dimension bringen sollen

 

  • Lochzange und Variozange: miriam_naehutensilien_141125-012Die Lochzange bräuchte ich zwar theoretisch nicht, weil die Variozange auch Löcher machen kann, aber ich finde die Lochzange noch ein kleines bisschen besser in der Handhabung. Wenn man viele Jerseydruckknöpfe oder Ösen verarbeitet, ist die Variozange wirklich Gold wert. Denn dieses rumgeklopfe mit dem Hammer auf diesen wackeligen Plastik“werkzeugen“, die den Druckknöpfen bzw Ösen beiliegen, war bei mir immer eine sehr zweifelhafte Angelegenheit. Im Wesentlichen hat man die Wahl zwischen gequetschten Fingern oder schiefen Druckknöpfen
  • Ganz neu: Stoffklammernnaehutensilien_141129-002 Gesehen habe ich sie bei ringelmiez in einem Post, der diesem hier sehr ähnlich ist. Beim letzten Besuch im Stoffladen hab ich sie dann mitgenommen. Bei Materialien, die man nicht mit der Nadel stecken kann, weil dann Löcher zurückbleiben, wie z.B. Leder oder hydrophobe Membranen, sind diese Klammern unentbehrlich. Das Rumgehampel mit den Büroklammern hat mich beim Puschennähen nämlich immer mega genervt. Beim Nähnen der Regenjacke aus Drei-Lagen-Laminat mit hydrophober Membran für den großen kleinen Menschen habe ich die Stoffklammern das erste mal benutzt und sie haben mir und meiner Umwelt sehr viel Gefluche erspart.

So, jetzt seid ihr dran: Was sind eure liebsten Nähgadgets? Worauf könnt ihr auf keine Fall verzichten und was sollte jede Hobbyschneiderin aus eurer Sicht besitzen? Was muss unbedingt auf den Wunschzettel? Oder aber: Was sind die überflüssigsten Utensilien, die nur Platz auf dem Nähtisch wegnehmen und zustauben?

Über den Wert weiblicher Arbeit

Vor ein paar Tagen hatte ich einen sehr seltsamen Anfall von „Nähen für andere“. Beide kleine Menschen brauchten dringend neue Lederpuschen für den Kindergarten. Der große kleine Mensch wünschte sich Gespenster-Puschen mit Schneeflocken in schwarz. miriam_naehutensilien_141125-005Als ich dann die Farbkombination für den kleinen kleinen Menschen zusammengesucht hatte, hatte ich plötzlich die fixe Idee, dass da unbedingt Frösche drauf appliziert werden müssen. miriam_naehutensilien_141125-002Und dabei kam mir eine Unterhaltung in den Kopf, die ich vor ein paar Wochen auf einem Hoffest geführt hatte. Auf dem Fest wurden verschiedenste landwirtschaftliche Erzeugnisse angeboten, unter anderem auch solche Lederpuschen. Ein Paar, ähnlich verziert wie diese beiden Paare, sollte 15 Euro kosten. Das erzählte mir meine Gesprächspartnerin, während wir in der Küche standen und Essen zubereiteten. Ich fand das viel zu günstig und sagte das auch. Darauf erwiderte meine Gesprächspartnerin: „Ach weißt du, die macht das doch so nebenher.¨ Ihr könnt euch sicher denken, was ich darauf gesagt habe, oder? Ich habe erklärt, dass das in keinster Weise rechtfertigt, warum ihre Arbeitszeit nur so wenig wert sein soll. Dass allein das Leder schon ungefähr 5 Euro pro Paar kostet (mag sein, dass es das in größeren Mengen günstiger gibt, ich jedenfalls zahle je nach Größe 5-8 Euro fürs Material). Dazu kommt noch die Anschaffung der Näh- und Stickmaschine, Garn, Nadeln, Strom.

Jetzt bin ich sicher nicht die Routinierteste, was Puschen verzieren und Nähen angeht. Mache ich alles halbe Jahr mal. Für Zuschnitt, Applikation und Zusammennähen habe ich pro Paar mehrere Stunden gebraucht. Das geht mit etwas Übung sicher schneller. Aber selbst wenn es alles in allem 1 Stunde dauert, muss man ja auch noch die Zeit, die man auf solchen Märkten oder Festen rumsteht, mit einrechnen. Und/oder das Pflegen des Onlineshops, sei es nun der eigene oder die Präsenz bei dawanda. Der Stundenlohn beläuft sich also auf wenige Euro. Ohne Sozialabgaben. Weil: „Das macht die ja so nebenher.“ Es ist ja ihr Hobby, ihr macht das ja Spaß, da muss sie ja gar nicht erst anfangen, realistische Preise zu kalkulieren, oder was?!? Mir macht mein Job auch Spaß und trotzdem erwarte ich, dass mir meine Arbeitgeberin ein angemessenes Gehalt zahlt, von dem ich leben kann und anständig gegen Krankheit, Alter und sonstige Widrigkeiten des Lebens versichert bin.

Diese Abwertung weiblicher Arbeit kotzt mich echt ganz gewaltig an.

In diesem Zusammenhang auch sehr interessant, wie Ella von Ringelmiez die Preise ihrer Quilts kalkuliert.

 

Ein MeMadeMittwoch an den falschen Tagen im Monat

Heute morgen stand ich gefühlt stundenlang vorm Schrank und fand nichts anzuziehen. Das passiert mir wirklich äußerst selten. Aber es gibt so Tage, da braucht man auf der einen Seite eine Rüstung, um sich selbst zusammenzuhalten, auf der anderen Seite muss es so gemütlich wie möglich sein, weil eh schon alles so beschwerlich ist.

Ich twitterte folgendes:

Die Vorstellung, heute ein Kleid zu tragen, war unerträglich. Ich habe keine Ahnung, warum genau, eigentlich finde ich Kleider recht angenehm zu tragen. Heute musste es eine Hose sein. In Hosen habe ich mehr Bewegunsfreiheit. Ich habe aber keine Hose, die wirklich so gut passt, dass sie als gemütliche Rüstung funktioniert. Hosen rutschen bei mir. Immer. An einem Tag wie heute verstärkt eine rutschende Hose das Gefühl es Zerfließens nur noch.

Trotzdem habe ich mich schlussendlich, auch weil die Zeit langsam drängte, der Liebste und die kleinen Menschen zogen sich schon Jacken und Schuhe an, für die Knickerbocker mit grünen Strümpfen und Blümchenschuhen entschieden. Und so sehr ich dieses Outfit mag, heute erscheint es mir trotzdem ungeeignet, mich gegen die Welt zu schützen.2014-11-26 21.13.08

Ich finde es hochinteressant zu beobachten, wie die Wahrnehmung meines Körpers schwankt. Es gibt Tage, da fühle ich mich unglaublich stark, da rase ich mit dem Fahrrad durch die Gegend, da schleppe ich 35 kg kleine Menschen (also beide zusammen) die Treppe hoch, den Fahrradanhänger vollgeladen mit Einkäufen zu ziehen ist ein Kinderspiel. Und dann gibt es Tage wie heute, wo ich mich zu schwach fühle, eine Brandschutztür zu öffnen, wo Treppensteigen alleine schon ein Kraftakt ist. Und an denen es unvorstellbar ist, was anderes als flache Gesundheitsschuhe zu tragen

Aber irgendwie habe ich den Tag dann doch überstanden…

2014-11-26 21.12.24Beim MeMadeMittwoch zeigt Gastbloggerin Anni einen kuscheligen Sweater, der heute auch sehr nach meinem Geschmack gewesen wäre.

MeMadeMittwoch 24.09.2014

Dieses Kleid ist mal wieder ein eindeutiger Beweis, dass ich viel viel Zeit brauche, um aus einem tollen Stoff ein heißgeliebtes Kleidungsstück zu produzieren. Vor allem, wenn ich beim Stoffkauf noch so gar keine klare Idee davon hab, was aus dem Stoff mal werden soll. Diesen Baumwollstoff mit Lochstickerei kaufte ich bei meinem ersten Maybachufermarktbesuch in Berlin im Mai 2013. Ich ich erinnere mich noch ganz genau daran, dass Wiebke (die heute auch ein Kleid aus einem Stoff zeigt, den wir damals beide kauften) tief einatmete, als ich beherzt 4 m davon kaufte. Aber da ich noch nicht wusste, was ich daraus machen möchte, und der Preis unglaublich niedrig war, sah ich keinen Grund, weniger von dem schönen Stoff zu nehmen. Bei meinem letzten Marktbesuch im April mit Lucy kaufte ich dann noch schwarzen Baumwollbatist, weil klar war, dass die Lochstickerei an den meisten Stellen ein Futter verlangte. Und mittlerweile wusste ich auch, was ich aus dem Stoff nähen wollte. Eine weitere Version von Simplicity 2403. Diesmal mit den kurzen Ärmeln ohne Manschette, dafür aber mit genug Platz für den Busen. Außerdem schwebte mir für die verspielte Lochstickerei ein halber Tellerrock vor. Den schmalen Rock fand ich etwas zu straight für den verspielten Stoff.MiriamKleider140922-002Also setzte ich mich an einem Wochenende Anfang Juli, als die kleinen Menschen bei meiner Mutter waren und der Liebste am Baikalsee Studierenden Physik beibrachte, hin und passte das Oberteil an. Das dauerte natürlich mal wieder länger als erwartet, denn trotz Prinzessnähten, die toll zum Anpassen sind, war es nicht mit ein paar cm über der Brust rauslassen getan. Denn oberhalb der Brust mussten dafür ein paar cm weggenommen werden. Alleine vorm Spiegel immer eine enorme Fummelei. Außerdem musste auch noch ein bisschen was an der Balance des Taillenverlaufs gemacht werden.MiriamKleider140922-006Als das Oberteil dann fertig war, maß ich die Breite von Vorder- und Rückenteil und konstruierte aus diesen Maßen dann einen halben Tellerrock. Anschließend nähte ich noch ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwägerin und dann war der Samstag auch schon rum. Dann kam diese total fiese Mandelentzündung, die ich dank wirklich lieber, zum spontanen Notfalleinsatz bereiter Schwiegereltern in Ruhe auskurieren konnte, aber die mich natürlich trotzdem 2 Tage total außer Gefecht setzte. Da ich das Kleid aber gerne auf eine Hochzeit am Samstag drauf tragen wollte, war die Motivation, den Rock anzunähen, ihn 2 Tage aushängen zu lassen und dann zu säumen, doch recht hoch. Und ich habe es tatsächlich geschafft und seither trage ich dieses Kleid ständig, wie man unschwer an den Knitterfalten erkennen kann.MiriamKleider140922-011Ich liebe liebe diesen Schnitt und es wird noch mehr Versionen davon geben.

Der MeMadeMittwoch ist aus der Sommerpause zurück (schon letzte Woche…) und es gibt ein paar tolle Neuerungen. Eine davon heißt Claudia, die heute ein sehr stimmiges Partyoutfit präsentiert.

Für mehr Kosmonautinnen/Astronautinnen

Auch die selfish seamstress näht hin und wieder mal für andere. Und weil ich mittlerweile eine echte Blockade habe, was Gekauftes zu verschenken, ist es natürlich Ehrensache, dass auch zur Geburt was Selbstgemachtes her muss. Da aber Nähzeit bei mir, wie bei vielen anderen auch, eher knapp ist, mag ich ungern einen Body in Größe 62 verschenken, der dann 4 Wochen lang passt und unter den weiteren Lagen Kleidung und Deckchen dann doch irgendwie versteckt ist.

Als der große kleine Mensch geboren wurde, haben wir echt lange nach einer richtig praktischen Wickeltasche gesucht. Alles was wir fanden, war entweder zu wenig Wickel- oder zuviel -tasche. Schlussendlich fand ich dann aber den Wickelmax. Genau sowas hatten wir uns vorgestellt. Und das Ding ist nun also seit über 5 Jahren nonstop hier im Einsatz. Und da schon mehrere Eltern echt neidisch auf diese Wickeltasche waren, dachte ich mir, dass das doch eigentlich ein viel sinnvolleres Geschenk zur Geburt sei als ein Body.

So eine Wickeltasche ist natürlich eher was für die Eltern als für das Baby, und dieser Blümchen-und-Bärchen-Infantilität kann ich nur dann was abgewinnen, wenn das Kind sowas ausdrücklich wünscht. Also machte ich mich auf die Suche nach Patchworkstoffen, die zwar bunt sind, aber doch auch irgendwie anders als die üblichen Kinderstoffe. Und ich fand den perfekten Stoff.

SternenKacka-001Das ist die Tasche im zusammengefalteten Zustand.

SternenKacka-003Und so sieht sie aus, wenn man sie auseinanderfaltet. Das weiße mit der türkisen Einfassung ist ein Moltontuch, welches mit Klettband aut der Unterlage festgeklettet wird (Merke: Selbstklebendes Klettband ist des Teufels und kann eine 2 Wochen alte Nähmaschine fast ruinieren. Ein Hoch auf Nagellackentferner und Wattebäuschchen!). Die Unterlage besteht aus einer wasserdichten Betteinlage, die auf die Rückseite des Planetenstoffs aufgenäht ist.

An den Seiten sind jeweils 2 Taschen angebracht, in denen man den Kram verstauen kann, den man halt zum Wickeln so braucht:

SternenKacka-007Feuchttücher

SternenKacka-005Windeln

SternenKacka-006und Kleinkram kommt in die Reißverschlusstasche.

Was ich bei diesem Projekt aber auch mal wieder gemerkt habe: Ich bin kein Taschen-Näh-Typ. Die Bandeinfassungen sind alle eher schäpp und krumbelig. Keine Ahnung, warum ich beim Kleidung nähen soviel sorgfältiger sein kann als beim Taschen nähen.

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass die Tasche für die beschenkte Familie genauso praktisch ist wie unser gekauftes Vorbild.

Edit: Dank Mizoal darf diese Wickeltasche heute auch beim Creadienstag mitmachen. Yeah!