Im Tessin ist’s auch ganz schön

Die Schweizer Alpen habe ich ja in diesem Jahr bisher eher links liegen gelassen, aber so ganz ohne kann ich den Sommer natürlich nicht zu Ende gehen lassen.
Also bin ich am Freitag mit ein paar Arbeitskollegen und Philip ins Tessin gefahren.
Am Samstag war dann Canyoning in der Schlucht Gugnasco angesagt, allerdings ohne Philip, dem ist das irgendwie zu aufregend. Die Schlucht ist wunderschön, sehr eng mit einem grünen Blätterdach. Das Canyoning hat wieder mal viel Spaß gemacht, die Guides waren wirklich gut und wenn man wirklich nicht springen konnte, dann war es kein Problem, abzuseilen. Und manche Sprünge waren eindeutig zu krass für mich.
Danach haben wir Philip in Gordola eingesammelt und sind nach Vogorno im Verzascatal gefahren, von wo wir nach Odro aufgestiegen sind,

eine Maiensäss, die von Jean-Luis und Marlies bewirtschaftet wird. Die beiden sind wirklich tolle Gastgeber, und ihre Herzlichkeit kann man wirklich in vielen kleinen Details spüren. Nach einem sehr feinen Nachtessen (Zicklein mit Polenta) saßen wir noch ein wenig draußen und haben den Blick auf den Lago di Vogorno und den Lago Maggiore genossen.


Die Nacht im Massenlager war leider recht unentspannt, da wir von der anderen Gruppe, die dort war, ziemlich eingeräuchert wurden, was Philip so geärgert hat, dass er mitten in der Nacht einen kleinen Wutanfall hatte.
Am Sonntag haben wir dann die Besteigung des Pizzo di Vogorno in Angriff genommen. Leider war das Wetter nicht mehr ganz so gut wie am Samstag, so dass wir nach leichten Klettereien auf dem Gipfel im Nebel/in den Wolken saßen und die sicher sehr schöne Aussicht uns leider verwehrt.
Um den Abstieg nach Vogorno einigermaßen erträglich zu gestalten, gönnten wir uns am Bardughé die Seilbahn,was allerdings für mich deutlich aufregender war als das Canyoning!

Und wieder mal ein Ausflug ins Hochgebirge

Nachdem der Liebste und ich Anfang Juni eine Hochtour mit dem ASVZ gemacht haben und wir uns einig waren, dass wir wenig Lust auf Stress, Leistungsgrenze und Schnee bis zu den Oberschenkeln haben, konnte ich den Liebsten dennoch dazu überreden, mal Gletschertrekking mit einem kommerziellen Anbieter auszuprobieren. Und so sind wir am letzen Wochenende vom Trift- zum Rhonegletscher gewandert.

Die ersten paar hundert Höhenmeter legten wir mit der Seilbahn zurück, aber dennoch standen uns noch etwa 1000 Höhenmeter bis zur Trifthütte bevor. Aber wir waren im absoluten Wohlfühltempo unterwegs, also Stress und Leistungsgrenze war schonmal ausgeschlossen, zum Glück.

Der Höhepunkt des ersten Tages war auf jeden Fall die 110 m lange Hängebrücke über die Triftschlucht. Diese Brücke wurde vor 2 Jahren gebaut, nachdem sich der Triftgletscher soweit zurückgezogen hatte, dass es immer schwieriger wurde, die Trifthütte über die Gletscherzunge zu erreichen, an deren Stelle nun ein großer See ist. Sehr eindrücklich sieht man das auf diesen Photos (ja, Berge = was zu sehen = Photos ;-)).

Dieses Bild habe ich auf der Webseite von Faszination Trift gefunden und ist von 2005:


und hier ungefähr die gleiche Perspektive zwei Jahre später:

Mehr interessante Infos zum Gletscherrückzug gibt es hier.

Das überqueren der Brücke hat mich schon einige Überwindung gekostet, aber ich bin mächtig stolz, dass ich der Höhenangst mal wieder frech ins Gesicht lachen konnte 😉
Die Landschaft auch oberhalb der Brücke war erstaunlich grün und wild, es gab sogar noch Blaubeeren! Aber irgendwann war es dann doch vorbei mit Vegetation und auch mit Sonne, der Nebel zog immer mehr ein, so dass wir das letzte Stück bis zur Hütte dann ganz freiwillig so schnell wie möglich gegangen sind, weil es einfach ganz schön kalt war.
Wir konnten dann der Hüttenwartin beim Kochen zuschauen, da die Trifthütte im Moment umgebaut wird, und Speiseraum und Küche deshalb zur Zeit in einem Provisorium untergebracht sind. Der Liebste war einigermaßen über die Behandlung der Spaghetti entsetzt, die nach dem Kochen mit Flüssigbutter und gekörnter Gemüsebrühe „verfeinert“ wurden. Und auch der schweizer Bergkäse zur Bolognesesauce war geschmacklich nicht unbedingt ein Highlight. Aber wie dann beim Essen festgestellt wurde, nach so einer Anstrengung schmeckt fast jedes Essen wie ein Festmahl.

Am nächsten Morgen hieß es dann um 5:15 Uhr aufstehen, ich hab keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber es ging erstaunlicherweise ganz gut. Hatte wahrscheinlich gerade eine Leichtschlafphase erwischt. Um 6:15 ging es dann los, zuerst ein kleines Stück abwärts zum Gletscher, wo dann Steigeisen und Klettergurt angelegt wurden. Dann stapften wir in Reih und Glied angeseilt im Schatten über den Triftgletscher Richtung Undris Triftlimi, im Rücken die sonnenbeschienenen Gipfel der Zentralschweiz. Um 9 Uhr gabs dann die erste Pause, in der sich mal wieder herausstellte, dass Frauen in der Schöpfung wirklich benachteiligt wurden. Denn wie, bitte schön kann man auf einem Gletscher, der mit Schnee bedeckt ist, man also nicht weiß, ob man gerade auf einer Spalte steht und einbrechen könnte, sicher pinkeln als Frau? Glücklicherweise gab es noch eine apere Stelle, auf der wir das Seil abnehmen durften und dann unter Beobachtung der gesamten Gruppe pinkeln durften (denn Büsche gibts auf dem Eis natürlich auch keine).


In der Sonne war es dann angenehm warm und so stapften wir weiter aufwärts, bis wir dann so gegen 10 Uhr die Lücke zwischen Trift- und Rhonegletscher und damit den höchsten Punkt der Tour erreichten. Ab nun ging es eigentlich nur noch abwärts, und zwar den Rhonegletscher in seiner ganzen Länge. Mir fehlen mal wieder die Worte, zu beschreiben, wie sich dieser Anblick, die Stille und überhaupt die Atmosphäre angefühlt hat, es war einfach unbeschreiblich schön.


Etwas Stress gab es dann am Ende leider doch noch, da das Postauto um 14:10 Uhr ab Belvedere/Furka abfahren sollte und wir um kurz nach 2 an der Eisgrotte (für Touristen in das Eis gebohrt) ankamen. Also schnell die Steigeisen in die Hand genommen und losgerannt. Der Bus war so voll, dass es einige Überredung des Fahrers brauchte, damit er uns noch mitgenommen hat.

Ein Wochenende am Busen der Natur, mit Mönchen und Jungfrauen

Am Wochenende war ich mal wieder in den Schweizer Alpen unterwegs. Nachdem ich ja vor zwei Wochen durch den Schweizer Nationalpark gewandert bin, war dieses Wochenende das UNESCO Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn dran. Den Großen Aletschgletscher (längster Gletscher der Alpen), der im Eiger-Mönch-Jungfrau-Gebiet entspringt und nach Süden ins Wallis fließt, habe ich schon vor 2 Jahren besichtigt. Das faszinierende an den Alpen ist, dass aufgrund der unterschiedlichen Gesteinsformen und unterschiedlicher klimatischer Bedingungen (Nord- oder Südseite, das Engadin mit ganz speziellem Mikroklima,…) es auf kleinstem Raum unglaublich viele unterschiedliche Erscheinungsformen alpiner Landschaften gibt. Und trotzdem hat es mich doch irgendwie überrascht, dass es auf der anderen Seite der Jungfrau im hinteren Lauterbrunnental so anders aussah als rund um den Aletschgletscher.
Ausgangspunkt der zweitägigen Wanderung war Gimmelwald, ein autofreies Dörfchen oberhalb von Stechelberg, was nur mit der Luftseilbahn erreichbar ist. Von dort ging es zuerst ein Stück ins Sefinental, bevor es dann sehr sehr steil bergauf durch den wunderschönen Busewald zum Busengrat ging.
Der Blick ins Lauterbrunnental, auf unzählige Gletscher und Wasserfälle ist wirklich atemberaubend schön. Aber noch schöner ist der Blick vom Tanzbödeli aus.


Danach war dann ein kurzer aber sehr hübscher Abstieg zum Berghotel Obersteinberg angesagt, wo wir die Nacht verbrachten.

Am nächsten Tag ging es dann weiter das hintere Lauterbrunnental hinauf zum Oberhornsee und auf der anderen Talseite wieder hinunter Richtung Stechelberg. Wir kamen zu einem Wegweiser, wo es die Wahl zwischen einem Weg nach Stechelberg in 3 Stunden oder in 3 Stunden 20 Minuten gab. Wir entschieden uns für den längeren Weg. und obwohl wir uns schon auf dem Abstieg wähnten, ging es plötzlich wieder streng bergauf. Als es dann auch noch heftig zu regnen und zu hageln anfing, war ich kurzzeitig gefährdet quatschig zu werden. Glücklicherweise hörte der Regen aber irgendwann wieder auf und wir hatten plötzlich eine Wahnsinnsaussicht auf 4 (oder 5?) Gletscher. Da war der Regen und die Anstregung schnell vergessen. Danach ging es dann aber wirklich an den Abstieg, der recht lang und steil war, aber trotzdem dank sehr netter Begleitung sehr lustig war. Ärgerlich war nur, dass wir in Trachsellauenen mit einem gemeinen Trick in ein Berggasthaus gelockt wurden, wo es Zwetschgenkuchen mit Rahm geben sollte. Der war aber just in dem Moment ausverkauft, als wir welchen bestellen wollten.

Aufgrund des unbeständigen Wetters habe ich am Sonntag leider keine Photos gemacht, da ich das ständige Rauskramen der Kamera aus den (trockenen) Tiefen des Rucksacks irgendwie lästig finde. Aber bei der Durchsicht der Photos von Samstag musste ich auch feststellen, dass ich schon bessere Photos gemacht habe…

Für sachdienliche Hinweise, wo man in der Schweiz, außer im ICE aus Hamburg, Bionade kaufen kann, gibts eine Flasche dieses Getränkes.