Tagebuchbloggen 28.03.2020

Wenn man eh nichts anderes machen kann, dann kann man Samstags, so wie es früher bei uns zu Hause auch üblich war, zum Putztag erklären. Wir haben normalerweise eine Haushaltshilfe, aber die ist jetzt erstmal freigestellt, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Also haben wir heute die Wohnung geputzt. Der kl kl Mensch hat arge Probleme damit, Dinge tun zu müssen, auf die er keine Lust hat. Auch wenn ihm einleuchtet, dass es sein muss, keiner von uns das gerne macht und es in einer Gemeinschaft nötig ist, dass alle was beitragen, tut er sich mit seinen 7 Jahre noch schwer damit, dass in der konkreten Situation auch umzusetzen. Also hat er heute mal wieder viel weinen müssen, weil wir so unfassbar schlimme Dinge wie staubsaugen, Zimmer aufräumen und Müll runter bringen von ihm verlangt haben. Während wir noch viel schlimmer Dinge wie Küche auf Vordermann bringen, Böden wischen und Klo putzen tun mussten. Der Liebste hat außerdem noch die Hecke geschnitten und sieht jetzt aus, als hätte er eine Katze zum Tierarzt bringen müssen.

Aber schlau wie wir waren hatten wir uns für 16 Uhr mit Freunden zum Telekaffeetrinken verabredet, so dass wir die Belohnung direkt eingebaut hatten. Die Freunde sind vor einem halben Jahr umgezogen und bisher hatten wir das neue Haus noch nicht gesehen. Also bekamen wir erstmal eine Hausführung. Danach haben wir dann noch Fotos von ihrem Chileurlaub angeschaut. Sie sind letzte Woche von einer 4-wöchigen Reise zurückgekommen und weil sie ja dann zu Hause direkt in den Lockdown gegangen sind, waren wir die ersten, die die Fotos gezeigt bekamen. Internet ist wirklich was tolles!

Überhaupt haben wir neuerdings viel mehr Sozialkontakte, weil wir uns fast jeden Abend mit anderen Freunden zum telekonferieren treffen. Wenn man jahrelang so ein Nomadenleben wie wir geführt hat und sich außerdem mit Menschen aus dem Internet anfreundet, dann sind die Freunde halt auch echt weit verstreut. Warum haben wir das mit der Videotelefonie nicht schon viel früher gemacht?

Nach dem Abendessen haben wir uns dann noch mit anderen Freunden getroffen, während die kl Menschen Star Wars Episode 2 geschaut haben.

Ich habe immer mehr Bedenken, im Juli unseren geplanten Urlaub in Tirol zu machen. Nach allem, was man über die Versäumnisse aus Ischgl so hört, frage ich mich, ob ich offiziellen Angaben darüber, ob Tirol die Infektionen im Griff hat, trauen würde. Noch ist Zeit, bisher haben wir nur eine Anzahlung geleistet, aber selbst wenn wir durch flächendeckende Antikörpertests, die hoffentlich bald im großen Maßstab verfügbar sein werden, sehr viel besser wissen, wie die Infektionslage ist, haben die offiziellen Stellen in Tirol massiv mein Vertrauen in ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Und nachdem jetzt ja schon die Skitouristen ausbleiben, ist man über das Sommerferiengeschäft vermutlich froh und handelt dann womöglich wieder genauso fahrlässig wie Anfang März.

Das argument, dass man für die Wirtschaft jetzt ganz schnell wieder zu lockereren Maßnahmen übergehen müsse, treibt mich noch immer sehr um. Alleine heute sind über 70 Menschen in Deutschland an Covid-19 gestorben. Wir folgen noch immer ziemlich genau der Trajektorie von Italien. Nichts deutet darauf hin, dass die Maßnahmen, die wir bisher erdulden müssen, wirksam genug sind um ein Drama wie in Italien oder in Spanien abzuwenden.

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