Tagebuchbloggen 22.03.2020

Ausgeschlafen, gefrühstückt.

Anschließend bin ich ins nähzimmer verschwunden und habe Behelf-Mund-Nasen-Schutze genäht. Eine Materialrecherche hatte ergeben, dass sich Baumwoll T-Shirts (doppellagig) oder Bettbezüge (doppellagig) am besten eignen. Also hätte ich gestern meine Jersey und Popelinereste rausgekramt und sie bei 95°C vorgewaschen. Heute hab ich sie zugeschnitten und dann 7 behelfsmasken genäht. Das zuschneiden (alles rechteckige Stücke, mit großem Lineal, nem Stück Pappe als Schablone und Rollschneider gut geeignet für Stapelverarbeitung) und bügeln der Kanteneinfassungen war schon Recht nervig. Aber richtig blöd wurde dann dass einbügeln der Falten. Das nähen an sich ist easy, aber durch die Falten dauert es dann doch bei jeder Maske einige Zeit. Für die Drahtverstärkung, um die Maske optimal an die Nase anzudrücken, habe ich diese plastikummantelte Drahtdinger verwendet, die manchmal bei Gefrierbeuteln beiliegen. Die Kantenverstärkung/Bindebänder habe ich mit einem Zickzackstich angenäht, da die Stoffstreifen dafür nicht wie Schrägband vierfach gefaltet werden, sondern nur doppelt und dadurch die Kanten unversäubert offen sind. Das hat gut geklappt und ich hoffe, das Band franst nicht zu schnell aus. Das Tragen der Masken finde ich noch arg gewöhnungsbedürftig. Aber da wir uns jetzt alle so verhalten sollten, als hätten wir covid-19, ist es wohl besser, wir schützen unsere Mitmenschen nicht nur durch Abstand halten, sondern bei notwendigen Begegnungen wie z.b. im Supermarkt auch dadurch, dass wir nicht ungehemmt Speicheltröpfchen in der Luft verteilen. Da medizinische Mund-Nase-Schutze aber aktuell knapp sind und in Krankenhäusern für die Ärztinnen und Pflegerinnen dort dringend gebraucht werden, wird empfohlen, sich solche Behelf-Mund-Nase-Schutze zu nähen. Vor ein paar Tagen noch hielt ich das für vollkommen albern, aber es scheint, dass sie tatsächlich besser als nichts sind. Wirklich großen Spaß hatte ich beim Nähen nicht, aber nun sind wir immerhin ausgerüstet. Auch wenn schon seit 2 Wochen nur noch einer von uns einkaufen geht und wir ansonsten Begegnungen mit anderen Menschen quasi auf null reduziert haben.

Außerdem war heute wieder vorkochen für die nächsten Tage angesagt. Da das Hühnerfrikassee gut ankam bei 3 von 4 Familienmitgliedern und das 4. Mitglied auch mit Reis und Erbsen happy war, gibt es das nun wieder an 2 Tagen diese Woche. Außerdem Lasagne.

Gestern habe ich mit dem gr kl Menschen zusammen die Erdkunde Aufgaben gemacht. Und festgestellt, dass ich echt noch einiges wusste über Landwirtschaft. Der gr kl Mensch macht das wirklich gut mit dem selbstlernen, aber ganz alleine ist halt doch was anderes als mit jemandem zusammen.

Die Spaziergangrunde um 5 wird sehr konsequent gemacht und es gibt quasi keinen Protest bei den kl Menschen. Sie brauchen diese 30-60 Minuten Auslauf auch. Es sind recht viele Menschen draußen unterwegs, aber eigentlich immer nur in 2er Gruppen oder Lebensgemeinschaften. Selten gibt es Probleme mit den 2 m Abstand, auch wenn überall genug Platz wäre. Aber im großen und ganzen scheint die Ansprache von Angela Merkel letzten Mittwoch auch den letzten den Ernst der Lage klar gemacht zu haben.

Ich frage mich, ob das früher geschehen wäre, wenn man ohne langes lamentieren schon vor 2 Wochen die Männer Fußball Bundesliga abgesagt hätte, statt noch an mehreren Stellen 50.000 Fußballfans ne Seuchenparty feiern zu lassen.

Eben bei Netflix eine neue Dokuserie entdeckt: Pandemie. Die ist von 2020, also wirklich erst vor kurzem erschienen. Produziert wurde sie natürlich schon vor einigen Monaten. Und das ist wirklich schräg. Da wird von einer möglichen Pandemie immer als Szenario gesprochen, was irgendwann kommen wird, aber niemand weiß genau, wann und wie. Jetzt wissen wir es. In der Doku schienen sich die Experten recht sicher zu sein, dass es eine Influenza Epidemie ähnlich der H1N1 Epidemie von 1918 sein wird. Coronaviren schien von denen jedenfalls niemand auf dem Schirm zu haben. Aber vielleicht ging’s in der ersten Folge auch einfach nur um Influenza und der SARS Ausbruch 2002/2003 kommt noch in einer anderen Folge dran. Jedenfalls ein sehr seltsames Gefühl, diese Doku zu schauen, wo von dem, wo wir jetzt mittendrin stecken, als Zukunft gesprochen wird. Klar war den Experten aber: die gesellschaftlichen Folgen werden gravierend sein. Nicht unbedingt das, was mich ruhiger schlafen lässt. Denn ich werde sowieso schon jede Nacht ein paar Mal wach, weil ich schlecht geträumt hab. Einschlafen fällt mir auch schwer, weil ich einfach einen totalen Nachrichtenoverflow habe. Aber nicht informieren ist für mich auch keine Option.

Angela Merkel hat heute eine gute Pressekonferenz gegeben zu weiteren Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und danach hat sie sich in häusliche Quarantäne begeben, weil sie Kontakt zu einem mit SARS-CoV2 Infizierten hatte. Möge sie und das Kabinett gesund bleiben. Aber bald wird klar sein: selbst Bundeskanzlerin kann man im Home Office sein. Falls noch Chefs Sorge haben, dass im Home-Office nicht gearbeitet wird.

Gib deinen Senf dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s