Tagebuchbloggen 17.03.2020

Diszipliniert um kurz nach 7 aufgestanden. Gefrühstückt, und um 8:15 Uhr am Schreibtisch gesessen. Aber da waren schon alle VPN Lizenzen weg. Also auf dem Handy ne Mail an die Kollegen geschrieben, dass ich zwar nicht per lync erreichbar bin, aber per Mail und Telefon. Den Sharepoint hatte ich am Freitag mit OneDrive zum Glück schon auf meine Festplatte gespiegelt. Aber wegen ner Schulsache eh zu abgelenkt zum Arbeiten. Die kl Menschen kamen gut gelaunt zum Frühstück, trödelten ein bisschen rum, aber räumten dann doch den Tisch ab. Die Lernzeit klappte schon besser als gestern. Aber man muss beim kl kl Menschen noch immer sehr behutsam sein. Auf keinen Fall darf man seine Stimme auch nur minimal schärfen, wenn er sowieso schon kurz vorm verzweifeln ist. Das ist manchmal schwierig, wenn man eigentlich einen Gedanken zu Ende denken will, er aber eine Frage zu einer Aufgabe hat. Die Nerven sind dünn. Bei uns allen.

Die Mittagspause nutzen die anderen drei zur Entspannung, ich schrieb ein Arbeitszeugnis für die entlassene Haushaltshilfe.*

Anschließend kontrollierte ich noch Aufgaben, erklärte Potenzen und im Gegenzug erklärte der gr kl Mensch mir exponentielles Wachstum anhand von Reiskörnern auf einem Schachbrett.

Der Nachmittagsblock war konzentrationstechnisch besser. Ich konnte ein paar Sachen zuende denken, mich nochmal sortieren und hoffe, dass ich morgen etwas besser reinkomme ins Arbeiten. Ein großes Problem ist, dass ich mit dem kleinen Laptopbildschirm viel zu krumm am Tisch sitze. Ich muss mir angewöhnen, zwischendurch Gymnastik für die Schultern zu machen.

Die kl Menschen schafften die Nachmittagslernzeit fast komplett selbstständig. Aber da dürfen sie auch eine Folge Dragons auf Englisch schauen. Und auch die anschließende Stunde Pause schafften sie gut alleine.

Um 17 Uhr gingen wir wieder raus wie jeden Tag. Diesmal gingen wir in die andere Richtung und kamen an einem Kiosk/Biergarten vorbei und da wurde sich fröhlich so ganz lässig mit Handschlag begrüßt. Ich wäre fast ausgeflippt. Wegen dieser Vollpfosten müssen wir vielleicht bald auf unsere Spazierrunde verzichten, weil offensichtlich nur eine knallharte ausgangssperre funktioniert. Eigenverantwortlich handeln im Sinne der Gesellschaft ist zuviel verlangt.

Meine Mama weiß ähnliches von ihrer Arbeit, einem Landesbetrieb, zu berichten. Menschen, die die Lage ernst nehmen, so wie sie, werden verspottet. Homeoffice ist was für Faule. Eltern haben Pech, wenn die Kinder nun zu Hause allein gelassen werden mit dieser diffusen Bedrohungslage.

Nach dem Abendessen machten wir noch ein Experiment zur oberflächenaktiven Wirkung von Seife.

Danach versuchte ich, meinen schon wieder sehr verspannten rücken mit Yoga ein bisschen zu entlasten. Aber ich glaube, Yoga ist nicht so mein Ding. Mal schauen, wie ich meine drei Sporteinheiten/Woche (Rückenfit, klettern, Crosstrainer) jetzt ersetze. Das Spazierengehen versuchen wir durchaus schnellen Schrittes, aber klettern und Rückenfit muss ich irgendwie anders ersetzen.

Es wird kein Sprint, sondern ein Marathon. Und ich denke, wir alle müssen nachsichtig mit uns sein. Der Job wird leiden, die Kinder werden leiden, die Beziehung wird leiden. Wir werden sehr oft sehr erschöpft sein. Aber dann denke ich an meine Schwester und weiß, dass diese Erschöpfung nichts ist im Vergleich dazu, was ihr als Krankenhausärztin droht, wenn wir die Situation nicht unter Kontrolle halten. Für sie und all die anderen Ärztinnen und Pflegerinnen da draußen bin ich bereit, wochenlang diesen Spagat zu probieren. Denn sie sind diejenigen, die im Zweifel unvorstellbares tun und sehen werden.

* Wir waren schon länger unzufrieden, das hat nichts mit dem lockdown zu tun.

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