Tagebuchbloggen 15.03.2020

Es war lange ruhig hier. Dafür gibt es Gründe, deren Erklärung zu weit führen würde.

Nun sitzen wir wie hunderte Millionen andere Menschen in Europa zu Hause und müssen uns auf ein komplett anderen Rhythmus und sehr andere Arten zu Arbeiten und zu Lernen einstellen.

Um das, was da in den nächsten Monaten auf uns zukommt, was das mit uns als Familie, aber auch mit mir persönlich als Mensch machen wird, zu dokumentieren, habe ich mir vorgenommen, wieder mehr in Tagebuchform zu bloggen.

Wir haben das große Glück, dass sowohl der Liebste als auch ich Jobs haben, die quasi keine physische Anwesenheit erfordern. Wir haben Laptops, wir haben VPN Tunnel und unsere Arbeit findet quasi nur in unseren Köpfen statt. Deshalb stellt uns die Schulschließung nicht vor ein existentielles Betreuungsproblem. Wie gut wir Lern- und Arbeitszeit parallel geregelt bekommen, werden wir sehen.

Alle vier von uns sind introvertiert und das empfinde ich als sehr großes Privileg. Es gibt keinen Sportverein, den wir streichen müssen, kein Orchester, keine regelmäßigen sozialen Aktivitäten. Ich gehe seit November regelmäßig klettern, das muss natürlich pausieren, aber das finde ich aushaltbar. Dafür kann ich dann wieder am virtuellen Nähkränzchen teilnehmen, das ich dem Klettern opfern musste.

Weil wir normalerweise unter der Woche alle in der Kantine/Mensa essen, müssen wir unsere Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten nun ein wenig anpassen. Jeden Tag kochen, neben homeschooling und Vollzeitjob macht mir etwas Angst. Also haben wir heute einen Mealprep-Tag gemacht. 2020-03-14 12.51.25

Diesen Plan haben wir am Freitag gemacht und dann eingekauft. Dieser Einkauf sah deutlich anders aus als unser sonst gewöhnliche Wocheneinkauf. Wir brauchen nun 5 Mittagsmahlzeiten für 4 Personen mehr als sonst. Das wird vielen Menschen so gehen. Andererseits werden Kantinen, Mensen und Schulcaterer aktuell deutlich weniger Essen ausgeben, also auch weniger Lebensmittel im Großhandel einkaufen. Natürlich hat das Auswirkung auf die Warenströme. Leere Regale im Einzelhandel wundern mich da überhaupt nicht und das hat nichts mit absurden Hamsterkäufen zu tun. Das ist eine gewaltige gesellschaftliche Umstellung, die da gerade innerhalb kürzester Zeit stattfindet. Was der Einzelhandel da gerade leistet, ist enorm!

Heute also dann vorkochen der etwas aufwändigeren Gerichte, die man aber auch gut 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren kann: Fleischküchle, Kartoffelsalat, Hühnerfrikassee. Hühnersuppe haben wir noch welche eingefroren. Ein Glas selbstgekochte vegetarische Bolognese ist auch noch im Vorrat.

Außerdem haben wir einen Tagesplan gemacht. Wir haben nämlich echt ein bisschen Sorge, dass wir ohne Struktur zu chaotisch sind und überhaupt nichts geregelt bekommen.IMG_20200315_202404741_BURST000_COVER_TOP

Von beiden Schulen gab es noch keine Info, wie das Lernen und die Lernzielkontrollen in den nächsten Wochen aussehen soll. Also starten wir morgen erstmal mit selbstgestellten Aufgaben. Ich habe den Lernplan in der Grundschule bei den kl Menschen immer verflucht. Jetzt ist er erstmal ein ganz gutes Gerüst, an dem man sich vorläufig orientieren kann. Der gr kl Mensch scheint aber in den Hauptfächern an der weiterführenden Schule auch einen okayen überblick zu haben, was gerade dran ist und macht da erstmal weiter. Die Nebenfächer werden sicher in den nächsten Tagen dazu kommen.

Nach dem ganzen Kram waren wir dann noch eine Runde Fahrradfahren und spazieren. Es waren unglaublich viele Menschen in kleinen Grüppchen von max 4 Personen im Wald unterwegs. Es wäre wirklich Mist, wenn das verboten werden müsste, weil sich zu viele nicht an die Empfehlung, die Sozialkontakte radikal zu beschränken, halten können. Leider habe ich wenig Hoffnung, letzte Woche waren in Italien die Spielplätze wohl auch proppenvoll und Kinder wurden von ihren Großeltern betreut. Bitte, bleibt weg von Gruppen mit mehr als 4 Personen. Achtet darauf, dass ihr nicht ständig mit anderen Leuten rumhängt, die selbst auch wieder mit anderen rumhängen usw. Sonst sitzen wir in spätestens 3 Tagen bei wunderschönstem Frühlingswetter in der Wohnung und dürfen nicht raus. Noch fühlt sich das alles total surreal an. Aber das hier ist kein Hollywoodfilm mit Dustin Hofmann. Das hier ist real. Und die Folgen werden gravierend sein.

Ein Gedanke zu „Tagebuchbloggen 15.03.2020

  1. Klingt doch gut geplant bei euch. Und bezüglich deiner Überlegungen, es wird gravierend, e ist ein Test für unserer Gesellschaft und ich befürchte, die Note wird nicht gut.
    Liebe Grüße und bleibt gesund
    Sabine

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