WIP: Der Seidenblazer – Teil 1

Nachdem das Tweedjacket wirklich gut sitzt und als Übergangsjacke sehr gute Dienste leistet, dachte ich so darüber nach, welches durchgeknallte Projekt ich denn als nächstes angehen könnte. Und da der Stoff von Lotte Martens für das Hochzeitsgastkleid zwar schon bestellt ist, aber noch nicht da ist, fielen mir die 3 m silbrig-graue Anzugseide ein, die ich vor 1,5 Jahren in China gekauft hatte. Daraus einen Blazer, das wäre sicher schick. Ich überlegte weiter, schaute meinen Stoffvorrat so an und merkte: Ich hatte alles da, inklusive Knöpfe, um diesen Blazer zu nähen, das Futter wird aus reiner Seide sein. Nur beim Innenleben war ich unschlüssig. Rosshaar wie beim Tweedjacket erschien mir zu krass für den feinen Seidenstoff. Ich hatte noch ausreichend Seidenorganza zum Unterlegen da, aber für die Front erschient mir das wiederum nicht steif genug. Also probierte ich, als ich wegen eines Seminars sowieso in Düsseldorf in der Nähe eines Stoffgeschäftes war, die Beratung dort mal aus. Die Frau in dem Laden schien sich auch wirklich super auszukennen, als ich reinkam, machte sie gerade für eine andere Kundin eine Brennprobe. Und auch mich beriet sie kompetent, aber wir waren uns einig, dass Klebeeinlage zu heikel wäre. Sie hatte aber nur Klebeeinlage da und wollte mir die auch nicht verkaufen. Also schickte sie mich weiter zu Stoffe Möller, die auch nicht weit weg waren und sehr edle Stoffe im Angebot haben. Unter anderem sah ich dort auch Rosshaareinlage, das habe ich noch in keinem anderen Stoffgeschäft gesehen. Aber auch hier war klar: kein Rosshaar, keine Klebeeinlage. Schlussendlich landeten wir bei einem Modestoff, den ich als Baumwollorganza bezeichnen würde. Definitiv steifer als Batist, aber auch anders vom Griff her als Seidenorganza.

Also verbrachte ich den letzten Samstag zuerst einmal damit, den Schnitt vom Tweedjacket zu ändern. Der Blazer soll 5 cm kürzer sein, ein tieferes Revers haben und nur 2 Knöpfe. Dann schnitt ich alle Schnittteile aus Seidenorganza und aus Oberstoff aus,  zusätzlich noch für das Vorderteil und die Schultern die Baumwolleinlage.

Aktuell bin ich damit beschäftigt, alle Oberstoffschnittteile mit Seidenorganza zu unterlegen. Dafür stecke ich die beiden Stofflagen in der Mitte aufeinander und hefte sie auf der Nahtzugabe aufeinander, um sie anschließend wie ein Schnittteil verwenden zu können. Irgendwo las ich, dass man jede Seite mit einem eigenen Faden heften soll und nicht um die Ecken heften soll, da sich dadurch der Stoff verziehen könnte. Geschafft bisher: die vier Schnittteile der Ärmel und der Oberkragen.

Ich versuche mal, dieses Projekt etwas detaillierter hier zu beschreiben, wenn ich es in kleinen Häppchen dokumentieren, fällt mir das eventuell leichter als alles am Stück. Also bleibt dran!

Ein Gedanke zu „WIP: Der Seidenblazer – Teil 1

  1. Da hast du dir ja was ganz schön Anspruchsvolles vorgenommen! Die Entscheidung, keine Rosshaareinlage zu nehmen, war goldrichtig – die kann Seidenkanten im Bruch auf Dauer durch“sägen“. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
    LG, Bele

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