Alaska 2006: Denali Nationalpark Teil 1 (21.08.2006)

Beim Aufstehen konnten wir tatsächlich die Alaska Range sehen, der Wirt hatte also nicht gelogen. Nach dem schnellen Früstück waren die Berge allerdings schon wieder verschwunden.

Am Parkeingang angekommen mussten wir zuerst einmal in das Wilderness Access Center um auf dem Campingplatz einzuchecken und das Busticket zu bekommen. Aufgrund des schlechten Wetters und der kaputten Straße ist hier so gut wie nichts los, erstaunlicherweise ansonsten fast nur Rentner.

Nachdem wir (im Trockenen!) unser Zelt aufgebaut hatten, machten wir uns auf den Weg nach Wonder Lake. Es war jedoch noch nicht so ganz klar, ob wir wirklich bis Wonder Lake fahren würden, da aufgrund Schnee die Straße ab Toklat gesperrt war. Je höher wir kamen desto mehr ging der Regen in Schnee über und wir gaben jede Hoffnung auf, überhaupt irgendeinen Berg zu sehen. Bei der ersten Pause lag noch schnee auf den Hügeln um uns herum, aber wir entdeckten ein kleines Stückchen blauen Himmel und ein erster Blick auf die Berge tat sich auf.recap_alaska_2006-032 Das kleine Stückchen blauer Himmel riss immer mehr auf und schließlich gab es nur noch Quellwolken am Himmel. Wir machten uns jedoch weiterhin keine Illusionen den Mt McKinley (also Denali) zu sehen, da er sich eigentlich immer in Wolken versteckt und unser Busfahrer sagte, er sieht die Spitze nur 2 mal im Monat.

Aber auch auf dem Boden gab es einiges zu entdecken,recap_alaska_2006-033 recap_alaska_2006-034 recap_alaska_2006-035 wir sahen einige Dallschafe, Karibus und Elche. Die Landschaft wechselte ständig, von Taiga zu Tundra, von Busch zu Wiese, von Gebirge zu riesegen weiten Tälern, von ausgetrockneten steinigen Flussbetten zu sumpfigen Wiesen mit unzähligen Biberseen. Nur der Bär ließ auf sich warten. Mittlerweile hatte es so weit aufgeklart, das wir die Alaskarange komplett inklusive der Basis des Denali sehen konnten. Ein überwältigender Anblick!recap_alaska_2006-036 Zu allem Überflusss bewegten sich die Wolken um den Gipfel vielversprechend schnell, so dass wir alle 5 Minuten anhielten um Fotos zu machen, vielleicht war ja dieser Zustand das Maximum, was wir von dem Berg zu sehen bekommen würden.recap_alaska_2006-037

Irgendwann lugte der North Peak (etwas niedriger als der South Peak) aus den Wolken hervor und ab da war klar, das dieser Tag wirklich mehr hielt, als wir in den kühnsten Träumen erwartet hatten.

Die letzten 20 Meilen bis zum Wonder Lake waren eigentlich immer im Angesicht des Denali, so dass unsere Aufmerksamkeit nun wieder mehr den Tieren galt.

Der Wonder Lake ist ein wunderschön gelegener See fast am Ende der Straße (4 Meilen vor Kantishna). Drumherum relativ flache Tundra, im Hintergrund die Alaska Range.

Wir waren uns einig, dass wir versuchen würden, noch 2 Nächte auf dem Wonder Lake Campground zu übernachten, sollte die Straße nach Süden am Samstag wieder geöffnet sein. Damit war aber auch klar, dass wir den Wrangell-St. Elias-NP ausfallen lassen würden.

Nach einer 45 minütigen Pause mit Picknick vor grandioser Kulisse (und einiger weniger Moskitos) ging es wieder zurück Richtung Riley Creek. Auf der Rückfahrt schaute ich noch mal hoch zu dem Berg und unglaublicherweise war keine einzige Wolke mehr da, die die beiden Gipfel verdecken konnte!recap_alaska_2006_add-009 Wir sind also einige der wenigen privilegierten Menschen auf dieser Welt, die den Denali direkt beim ersten Besuch in seiner kompletten Monumentalität erleben durften! Ich hätte fast geweint bei diesem Anblick.

Bären gab es leider keine zu sehen, dafür aber noch 3 Elche. Der Rest der Rückfahrt war „ereignislos“ („scenic overdose syndrom“ nennt sich das wohl :D)

Schnell noch was Warmes zu essen gemacht (gefriergetrocknete Lasagne, die man in der Mensa nicht besser bekommen hätte) und dann ab in den warmen Schlafsack (es war nahe 0°C).

 

Alaska 2006: Von Seward zum Denali Nationalpark (19.-20.08.20606)

Auf dem Weg von der Kenai Peninsula zum Denali NP kamen wir zwangsläufig wieder an Anchorage vorbei.recap_alaska_2006-028 Dort gibt es einen REI, ein Laden vergleichbar mit Globetrotter hier in Deutschland. Wir brauchten noch etwas Trekking Nahrung und vor allem wasserdichte Überzieher für unsere Rucksäcke. Danach hatten wir vor, so weit wie möglich nach Norden an den Denali NP ranzukommen, bis wir auf einer anzeigentafel sahen, dass der Highway #3 (George Parks Highway) ab Meile121 gesperrt sei. Der Liebste war so clever zu bedenken, dass, je weiter nördlich wir kämen, je weniger Motelzimmer frei sein könnten. Also checkten wir kurz hinter Wasilla im Roadside Inn ein, wo wir erfuhren, dass eine große Flut der Grund für die Highwaysperrung sei und es nicht möglich sein würde, den Denali NP auf diesem Weg zu erreichen. Wir beschlossen, es über den klitzekleinen (so 725 km) Umweg über Fairbanks von Norden her zu versuchen. Das wird uns wohl einen Tag kosten, so dass wir am nächsten Tag erstmal telefonieren mussten, wie die Straßenzustände so sind und ob wir die Reservierung für den Campingplatz eventuell um einen Tag nach hinten verschieben können.

Das Abendessen ließen wir uns dann in die angegliederte Kneipe liefern, die genauso wie das Motelzimmer einem schlechten Hollywoodfilm entsprungen su sein scheint. Dort spielten wir dann noch eine Runde Poolbillard, die ich knapp mit viel Anfängerinnenglück gewann.

Nachdem wir am nächten Morgen um 8:30 Uhr feststellten, das wir locker 2,5 h verschlafen hatten, gönnten wir uns doch noch ein Frühstück in diesem erlebenswerten Roadside Inn. Zuvor hatte der Liebste die Campground Reservierung um einen Tag nach hinten verschoben, da klar war, dass wir es heute nicht mehr bis Riley Creek schaffen würden.

Nach dem sehr üppigen Frühstück fuhren wir den Parks Highway also wieder nach Süden bis Palmer, um dort nach Osten auf den Highway #1 abzubiegen.

Nachdem ich nach einem Sekundenschlaf fast in dne Straßengraben gefahren wäre, machten wir Fahrerwechsel. Plötzlich war ich total aufgeregt, weil ich einen Gletscher sah. Der Matamuska Glacier ergießt sich förmlich ins Tal. Seine Außmaße sind wirklich atemberaubend und man kann sich kaum vorstellen, dass es vor 150 Jahren in der Schweiz ähnlich ausgesehen haben muss.recap_alaska_2006_add-005 Bis Glenallen war die Fahrt eher ereignislos, was aber wahrscheinlich an dem sintflutartigen Regen und den tiefhängenden Wolken lag.recap_alaska_2006_add-003

In Glenallen brauchten wir beide dann mal etwas Koffein und tranken in einem total überfüllten „Restaurant“ einen Kaffe bzw. Tee (1$ insgesamt!)

Der Regen wurde eher schlimmer als besser, so dass uns die Alaska Range ziemlich verborgen blieb. Die Transalaska-Pipeline war abschnittweise sehr gut zu sehen. recap_alaska_2006-030

Hier verläuft die Pipeline unterirdisch. Die Luftkühler dienen dazu, den Permafrostboden auf unter 0°C zu kühlen, damit die Pipeline nicht im Morast absäuft.

Hier verläuft die Pipeline unterirdisch. Die Luftkühler dienen dazu, den Permafrostboden auf unter 0°C zu kühlen, damit die Pipeline nicht im Morast absäuft.

Nördlich der Alaska Range wurde der Regen dann etwas schwächer und hörte schließlich ganz auf.

Am Nordpol (oder zumindestens in einem Örtchen namens „North Pole“) kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und aßen chinesisch zu Abend. Von Fairbanks haben wir nicht wirklich was gesehen, aberviel gibt es da wohl auch nicht zu sehen. Fairbanks war für mich der nördlichste Punkt, an dem ich zu der Zeit auf der Erde gewesen war. Dann ging es wieder nach Süden auf dem Parks Highway (der von Meile 121 bis 134 noch immer gesperrt war) und der Regen setzte wieder ein.

Die Nacht verbrachten wir in einer wirklich tollen kleinen Cabin in der Earthsong Lodge (für den stolzen Preis von 144$). recap_alaska_2006_add-007 recap_alaska_2006_add-006Der Fortune Cookie des Liebsten versprach auch, das etwas wirklich wunderbares direkt vor uns liege. Wir hofften, dass die Wolken ein wenig aufreißen und wir am nächsten Tag beim Aufstehen die Alaska Range sehen könnten. Die sollte nämlich laut Lodge-Wirt direkt vor der Tür sein.